• vom 06.07.2016, 16:24 Uhr

Leitartikel

Update: 06.07.2016, 20:27 Uhr

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capito nulla




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Von Reinhard Göweil


    Chefredakteur Reinhard Göweil.

    Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

    Der größte Investmentfonds der Welt, Black Rock, fordert die italienische Regierung auf, dortige Banken mit Milliardenbeträgen zu kapitalisieren, sprich: teilweise zu verstaatlichen. Allein dies muss alle Alarmglocken läuten lassen. Es droht - von Italien ausgehend - eine neue Bankenkrise. Auf 360 Milliarden Euro belaufen sich die faulen Kredite in den italienischen Bankbilanzen, die Aktienkurse sind im Keller. In aller Stille haben EU und EZB ein Hilfsprogramm abgesegnet. Unicredit, Mutter der Bank Austria, ist mittlerweile nur noch elf Milliarden Euro wert, die Aktie hat allein heuer mehr als 60 Prozent verloren. 

    Eigentlich sollten Steuerzahler nicht mehr für ihre Banken einspringen müssen, dazu wurde die Bankenunion gegründet. Doch für die gibt es lange Übergangsfristen bis 2025 - und so viel Zeit haben manche Banken in Italien sicher nicht mehr.

    Also steht die europäische Öffentlichkeit schon wieder vor der Unverschämtheit der Finanzindustrie. Während Bürger erneut Banken retten "dürfen", haben die Aktionäre der Banken trotz der 2007er Krise ordentlich zugelangt. 196 Milliarden Euro haben europäische Banken, vor allem aus Südeuropa, zwischen 2007 und 2014 ausgeschüttet. Geld, das im Eigenkapital fehlt.

    Das lässt nur den Schluss zu, dass in den Aufsichtsräten der Erkenntnisgewinn aus der Krise 2007 gering war. Sie haben nichts verstanden, oder wie es der Italiener sagt: capito nulla.

    Und damit bleibt nur eine Folgerung: Jeder Bank, die mit staatlicher Unterstützung saniert wird, wird für - sagen wir - zehn Jahre schlicht verboten, Gewinne auszuschütten.

    Das wird den Aktienkursen nicht guttun, aber es kann ja umgekehrt nicht sein, dass Finanzmarktstabilität Bürger und Sparer trifft, aber kaum die Eigentümer der Banken.

    Die italienischen Banken werden gerettet werden müssen, auch um einen Dominoeffekt auf andere Banken zu unterbinden. Die Aufräumarbeiten in der Hypo Alpe Adria (Heta) zahlen heimische Steuerzahler zu deutlich mehr als 90 Prozent.

    Damit muss Schluss sein. Wenn die italienische Regierung Banken verstaatlichen muss, soll sie es tun. Aber deren Eigentümer müssen einen schönen Teil der seit 2007 kassierten Dividenden zurückgeben. Alles andere gefährdet soziale Sta-
    bilität und fördert die Zunahme von Wutbürgern. Wohin das führt, zeigte zuletzt Großbritannien.

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    Schlagwörter

    Leitartikel, Bankenkrise, EU, Italien

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
    Dokument erstellt am 2016-07-06 16:29:05
    Letzte Änderung am 2016-07-06 20:27:07



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