• vom 25.07.2016, 15:51 Uhr

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Update: 25.07.2016, 15:58 Uhr

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Europa macht sich zu klein




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die EU müsse sich ändern, so wie jetzt könne es nicht weitergehen - so lauten die Kommentare seit Wochen. Auch die Spitzenfunktionäre in EU-Parlament, Kommission und Rat in Brüssel betonen eine notwendige Neuausrichtung des europäischen Projektes. Das stimmt schon; aber ärgerlich ist, dass der Satz alleine stehenbleibt.

Die EU sollte durchaus selbstbewusster auftreten, sowohl in der Frage Brexit als auch gegenüber der Türkei. Im Vereinigten Königreich ist der Katzenjammer nach dem Votum für einen EU-Austritt groß. Hunderttausende Briten wollen eine "EU-Staatsbürgerschaft" erwerben, also in Irland oder einem Staat auf dem Festland. In Nordirland herrscht blankes Entsetzen, die Schotten wollen ein Mitspracherecht bei den Verhandlungen mit der EU. Die Innenpolitik ist seither geprägt durch schwere Krisen bei Konservativen und Arbeiterpartei. Die Aufträge an die britische Industrie schrumpfen.

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Es gibt keinen Grund für die EU, anlässlich des Brexit in Depression zu verfallen, es sind die Briten, die Stimmungsaufheller benötigen.

In der Türkei vollzieht nach dem - immer dubioseren - Putschversuch Präsident Recep Tayyip Erdogan seine autokratischen Pläne. Tausende Türken hoffen auf die EU. Richter, Lehrer, Journalisten, Wissenschafter, Künstler und Unternehmer richten verzweifelte Hilfsappelle an die EU. Auch für sie repräsentiert die Union jene gesellschaftliche Form des Zusammenlebens, die ihrem Lebenstraum von Freiheit entspricht.

Nun versucht der Terror, Europa zu destabilisieren - auch rechter Terror. Doch die Beispiele Großbritannien und Türkei zeigen, dass Europa das Ziel der Sehnsüchte bleibt. Das bedeutet, dass selbst das imperfekte Europa sehr viel richtig gemacht hat und weiterhin richtig macht.

Wenn also die europäischen Institutionen näher zum Bürger gebracht werden sollen, was immer wieder gefordert wird, dann gehört dazu auch die Verbreitung von Optimismus. Ohne Briten wird die EU 450 Millionen Bewohner haben, und denen geht es - siehe Beispiele - innerhalb dieser EU viel besser als außerhalb.

Natürlich gibt es Defizite, die Arbeitslosigkeit ist zu hoch, im Rat wird zu national gedacht. Aber insgesamt überwiegen die positiven Merkmale. Die Bürger hätten Grund, auf dieses Europa stolz zu sein, doch das muss ihnen auch laut und deutlich gesagt werden. Negative Beispiele in der Umgebung gibt es mittlerweile zuhauf.




Schlagwörter

Leitartikel, EU, Europa, Terror, Brexit

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-07-25 15:56:03
Letzte ─nderung am 2016-07-25 15:58:14



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