• vom 01.08.2016, 17:18 Uhr

Leitartikel

Update: 01.08.2016, 18:25 Uhr

Leitartikel

Banken und Verschuldung




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (15)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Leitartikel

Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Banken-Stresstest, Tier-1-Kapital, Basel III, Leverage Ratio - warum Banker immer abschreckende Wortungetüme erfinden, hat wohl mit ihrer Lust zu Herrschaftswissen zu tun. Denn es geht bloß um die Frage: Wie sicher sind Banken? Bis 2007 grenzte allein die Frage an Majestätsbeleidigung, doch ein paar Krisen später ist alles anders. Der aktuelle Stresstest der europäischen Aufsichtsbehörden hat dabei nicht nur die Kapitalausstattung der größten Banken einem Belastungs-EKG unterzogen, sondern auch deren Auswirkungen auf den jeweiligen "Verschuldungsgrad". Das ist recht salopp formuliert der Quotient, wenn das Eigenkapital einer Bank mit der Summe ihrer Geschäfte dividiert wird. Diese Zahl liegt bei Raiffeisen - nach dem Stresstest - bei 3,05 Prozent - und damit hart am Limit von drei Prozent. Dass die Deutsche Bank und die Bayerische Landesbank darunter liegen, ist für diese beiden Institute schlimm, für Raiffeisen aber kein Trost. Der Wert heißt, dass Raiffeisen aus dem Kapital das 33-fache macht. Die Erste liegt hier im Ernstfall bei 4,3 Prozent, das ist also knapp das 23-fache.

Was sich schon wieder kompliziert anhört, ist ganz einfach: Raiffeisen muss, um auf die Werte der Erste zu kommen, entweder das Kapital kräftig erhöhen, oder die Geschäfte kräftig zurückfahren und sich von Beteiligungen trennen. Die beiden letzten Versionen wären für Österreich ganz schlecht, denn Raiffeisen hat nicht nur Marktanteile jenseits der 30 Prozent, sondern ist als Arbeitgeber in Industrie und Dienstleistung sowie als privater Sponsor eine Macht im Land.

Bleibt also die Version mit der Kapitalerhöhung. Da Raiffeisen quasi die wirtschaftliche Entsprechung des politischen Föderalismus ist, sollte es kein Problem sein, viele Bürger zu Anteilseignern zu machen. Raiffeisen entstammt ja der Genossenschaftsbewegung und weist heute noch stolz darauf hin, 1,7 Millionen Mitglieder zu haben. Die könnten Anteilsscheine kaufen, müssten dann allerdings Sitze und Stimmen in den Gremien haben. Die jetzt herrschende Funktionärsstruktur mit engen Bindungen zum ÖVP-Bauernbund hätte wohl ausgedient.

Dafür könnte die Raiffeisen-Organisation weiterhin aus Österreich heraus gesteuert werden. Das Beispiel Bank Austria, die von der Unicredit ausgehöhlt wird, sollte unterm Giebelkreuz ausreichend Stress verursachen.

Werbung



1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-08-01 17:23:05
Letzte ─nderung am 2016-08-01 18:25:57



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Britische Verzweiflung
  2. Ich wähle Van der Bellen - nicht
  3. Es gibt sie doch, die unsichtbare Hand
  4. Mission Dreierkette
  5. Die Kehrseite öffentlicher Sparpolitik
Meistkommentiert
  1. Ich wähle Van der Bellen - nicht
  2. Wir werden uns noch wundern . . .
  3. Adieu, Währungsunion
  4. Klare Haltung zahlt sich aus
  5. Zeit, zusammenzurücken

Werbung




Werbung