• vom 10.08.2016, 17:45 Uhr

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Update: 10.08.2016, 17:58 Uhr

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Trump, ein Signal an die EU




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Le Pen würde Donald Trump wählen, der russische Präsident Putin lobte den US-Präsidentschaftskandidaten über den grünen Klee. Aus europäischer Sicht ist Donald Trump ein irrlichternder Showmaster, dessen Aussagen immer verstörender werden. Seine jüngste Attacke gegen Hillary Clinton unter Hinweis auf die vielen Waffenbesitzer in den USA ist erschreckend. Trumps Wirtschaftsprogramm ist ein Torso widersprechender Ankündigungen.

Trotzdem kommt er - auch, wenn er in den Umfragen verliert - immer noch auf 35 Prozent der Wählerstimmen. Das irritiert. Was ist aus den USA geworden? Die republikanische Partei ist ein Schatten früherer Größe. Wie auch in Europa ist das "politische Establishment" unbeliebt, die Sprache dessen Gegner radikalisiert sich. Immer wenn sich Sprache radikalisiert, passiert etwas Furchtbares in einer Gesellschaft. Einige, die am Rande stehen, übersetzen diese sprachliche Gewalt in physische. Die "New York Times" vergleicht Trumps Äußerungen mit jenen gegen den früheren israelischen Ministerpräsidenten Rabin, der von einem Fanatiker ermordet wurde, weil sein Palästina-Friedensplan verbale Wut-Ausbrüche provozierte.

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Der Vergleich ist statthaft. Trump wäre nicht nur der "gefährlichste Präsident, den die USA jemals hatten", wie es führende Republikaner am Wochenende bezeichneten. Er ist wohl auch der gefährlichste Präsidentschaftskandidat.

Europa sollte daher endlich aufhören, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Ja, der Brexit wird schwierig. Aber selbst wenn Hillary Clinton die US-Wahl gewinnt, wird sich die dortige innenpolitische Debatte verändern. Für Europa wird weniger Zeit bleiben, und militärisch betrachtet werden die USA ihre Präsenz in Europa reduzieren. Das bedeutet, dass sich Europa Gedanken machen muss, wie es selbst als militärische Macht wahrgenommen wird. Alle 29 Länder zusammengenommen, wäre die EU eine militärische Großmacht. Aber es gibt halt - im Gegensatz zu den USA und Russland - kein gemeinsames Oberkommando. Es gibt 29 davon, und ohne Nato würde es bloß zahnlose Papiertiger in Verteidigungs-Themen geben.

Natürlich wäre es aus europäischer Sicht wunderbar, wenn Trump bis November aufgeben müsste. An einer eigenständigen Rolle in der Welt, und damit einer gemeinsamen EU-Sicherheitspolitik, würde das nichts ändern.




Schlagwörter

Leitartikel, Donald Trump, EU

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-08-10 17:50:10
Letzte ─nderung am 2016-08-10 17:58:14



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