• vom 26.08.2016, 17:16 Uhr

Leitartikel

Update: 26.08.2016, 18:59 Uhr

Innovation

Die Innovationsbremse




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Europa, und damit auch Österreich, muss sich quasi neu erfinden, um die künftigen Herausforderungen zu meistern. Es braucht neues Denken, neue Ideen, neue Strategien. Innovation ist das Wort der Stunde, und kluge Köpfe überbieten einander mit Vorschlägen. Globalisierung, Überalterung, Arbeitswelt, Migration, steigende Ungleichheit innerhalb der entwickelten Länder verlangen nach politischen Lösungen, die mit den gültigen nur noch wenig zu tun haben. Alle sind sich darüber einig - das ist eigentlich schön. Die Frage lautet also, wenn in den Regierungs- und Konzernzentralen Einigkeit herrscht: Warum passiert dann nichts? Es wird zwar europaweit fabelhaft über Burkini-Verbote gestritten, aber das ist im Vergleich ein Null-Problem.

Ein Grund liegt wohl darin, dass viele Politiker bei weitem nicht so innovativ sind, wie sie es von anderen verlangen. Um etwa die ersten Vorschläge des Wirtschaftsforschungsinstituts zu "Österreich 2025" umzusetzen, wäre eine gänzlich neue Budgetstruktur nötig. Ministerien müssten sich völlig neu organisieren. Darüber wird nicht einmal in Ansätzen diskutiert, dafür bleiben Militärmusikkapellen erhalten.

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Auf EU-Ebene ist es nicht viel anders. Eine EU-Sicherheitspolitik ist dringend notwendig. Jawohl, erschallt der politische Chor in Brüssel. Danach verebbt die Debatte, weil "Realzwänge" der Idee die Luft nehmen. Nicht einmal die Bankenunion ist bis heute fertig, obwohl angesichts vierstelliger Milliardensummen zur Bewältigung der Finanzkrise der Schmerz groß genug gewesen sein sollte.

Ist es also wahr, dass erst ein vollständiger Systemkollaps die Chance eröffnet, alles wirklich neu zu machen? Schöpferische Zerstörung bedeutet doch nicht, dass alles kaputtgemacht werden muss. Die vielen Mauern, errichtet aus wohlerworbenen Rechten, sollten doch ausreichen, um die Ausweglosigkeit bestehender Systeme zu erkennen. Und zu guter Letzt wird es jemand den Bürgern sagen müssen.

Politisch reagieren viele Europäer auf die gespürte Unsicherheit mit der Stärkung extremer Parteien. Deren Vorschläge sind zwar Humbug, aber leicht verständlich. Es wird Zeit, dass die regierenden Politiker Jüngeren Platz machen oder sich doch bequemen, der Welt ins Auge zu blicken. Derzeit leben die politischen Programme von der Welt von gestern. Die von morgen kommt nicht vor, obwohl wir genau in der bereits leben.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-08-26 17:20:06
Letzte ─nderung am 2016-08-26 18:59:26



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