• vom 14.09.2016, 17:03 Uhr

Leitartikel

Update: 14.09.2016, 17:42 Uhr

Monsanto

Die Agro-Weltherrschaft




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Bayer kauft also Monsanto, den Gottseibeiuns aller Globalisierungskritiker. Doch dies ist beileibe noch nicht alles. Die beiden US-Agrokonzerne Dow und Dupont haben ebenfalls eine Fusion vereinbart. Und ChemChina schluckt gerade den Schweizer Branchenriesen Syngenta. Damit werden am Ende, wenn die Kartellhüter zustimmen, drei Konzerne den globalen Markt für Saatgut und Pflanzenchemie beherrschen.

Für eine Welt, die in Richtung zehn Milliarden Bewohner marschiert, die ernährt werden wollen, ist dies eine gruselige Vorstellung. So etwas kann auch ohne Klassenkampf-Rhetorik Weltherrschaft genannt werden.

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Die Bauern werden weltweit Saatgut bei diesen drei Konzernen kaufen müssen, das leider so gezüchtet ist, dass nur das im selben Konzern erhältliche Pflanzenschutzmittel Schädlingsbefall bekämpft. Die eigene Vermehrung von Saatgut wird den meisten Bauern untersagt werden, da es Patente auf Grundnahrungsmittel gibt - die natürlich dem dreiteiligen Agro-Industriellen-Komplex gehören.

Während die Wettbewerbsbehörden zunehmend unruhig auf vier Konzerne (Google, Amazon, Facebook, Apple) blicken, die in der Digitalisierung global den Takt vorgeben, herrscht in der Landwirtschaft noch Stille.

Dabei würde die Reduzierung des Saatgut- und Agrochemiemarktes auf drei Großanbieter den europäischen Regierungen mehr Souveränität nehmen als eine gemeinsame EU-Regierung. Von Entwicklungsländern ganz zu schweigen.

Derartige Oligopole tendieren langfristig dazu, ihre üppigen Marktanteile abzusichern. Auf der Strecke bleibt dabei oft jene Innovation, etwas völlig Neues anzupacken. Zudem können sie die Preise nach Belieben steuern.

Eine solche Marktkonzentration in einem grundlegenden Bereich wie der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln kann daher nicht im allgemeinen Interesse liegen. Monsanto-Aktionären, die von Bayer cash bezahlt werden, mag dies egal sein, aber die Wettbewerbshüter in Europa, Asien und den USA stehen angesichts der dreifachen Hochzeit im Agrobusiness vor einer erheblichen Herausforderung. Eigentlich müssten sie diese - wie weiland die Telefongesellschaft AT&T - gleich wieder zerschlagen. Davor werden sie aber zurückschrecken. Die Rechnung werden Bauern und Konsumenten zahlen, unter anderem mit dem Verlust von Freiheit.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-14 17:08:03
Letzte Änderung am 2016-09-14 17:42:31



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