• vom 22.09.2016, 17:38 Uhr

Leitartikel

Update: 22.09.2016, 17:47 Uhr

Leitartikel

Von Erlösern und Politikern




  • Artikel
  • Kommentare (5)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Walter Hämmerle

  • Leitartikel

Walter Hämmerle

Walter Hämmerle Walter Hämmerle

Es ist einigermaßen herausfordernd, sich nicht von der grassierenden Depression in Sachen Politik nach unten ziehen zu lassen. Das gilt für einfache Bürger wie für professionelle Teilnehmer, wobei Letztere sicher stärker gefährdet sind.

Von Österreich über Europa bis hin zur großen Welt dominieren Horrorszenarien. Einigen Parteien und Politikern ist es sogar gelungen, diese Gefühlslage zur Grundlage der eigenen Geschäftstätigkeit zu erheben. Es ist ja auch tatsächlich leichter, auf einen fahrenden Zug aufspringen, als ihn aufzuhalten.

Werbung

Dagegen ist schwer anzukommen, zumal es sich verbietet, die vorhandenen Herausforderungen weg - oder auch nur kleinzureden. Und dass diejenigen, die sich dem Großreden verschrieben haben und allein dadurch schon Erfolge verzeichnen, den Rest noch mehr verunsichern.

So ins Eck gedrängt, flüchten die letzten Realos selbst in großspurige Rhetorik. Dann ist von großen Würfen, New Deals und Entfesselung, von Weltmeister, Quantensprüngen und Neuordnung der Republik die Rede. Doch was als Marketing-Gag in der herkömmlichen Produkt- und Image-Werbung durchgeht und manchmal sogar funktioniert, ist in der Politik mit Sicherheit zum Scheitern verurteilt. Und die Wähler sind verstimmt. Es gibt nun einmal einen Unterschied zwischen Waschmittelwerbung (oder, weil es gerade aktuell ist, Kabarett) und Politik, auch wenn dieser erst auf den zweiten Blick sichtbar wird - und manchmal leider erst auch auf den dritten oder vierten.

Statt sich als Superheld oder Erlöser zu inszenieren - wer dank dieser Strategie gewählt wird, scheitert in normalen Demokratien mit Sicherheit an der Wiederwahl -, sollten sich regierungswillige Politiker darauf verlegen, die großen Themen auf politisch handhabbare Fragestellungen herunterzubrechen. Das war zwar auch schon einmal einfacher, wie Sätze à la "Grenzkontrollen und/oder Obergrenzen führen in letzter Konsequenz zu Schießbefehlen" zeigen, es ist aber trotzdem alternativlos - und diesmal stimmt das oft gebrauchte Wort wirklich.

Und was für die Bewältigung der Flüchtlingskrise stimmt, gilt auch für den Kampf gegen den Klimawandel, die Schuldenkrise oder die angebliche Unreformierbarkeit dieser Republik.

Die Lösung liegt in vielen kleinen Schritten. Einzige Voraussetzung: Man muss die Richtung kennen, wo die Reise hingehen soll.




5 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-22 17:41:04
Letzte nderung am 2016-09-22 17:47:56



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Dieser Witz hat einen Bart
  2. Krachlederne & Hot Pants
  3. Ein Hoch auf die Burka-Debatte
  4. Wie unmoralisch ist Sparsamkeit?
  5. Politisches Ge-Ceta
Meistkommentiert
  1. Lügenpresse!
  2. Was geht uns unser Unsinn von gestern an?
  3. Wie unmoralisch ist Sparsamkeit?
  4. Islamisierung Europas - wehret den Anfängen
  5. Politisches Ge-Ceta

Werbung