• vom 05.10.2016, 17:49 Uhr

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Update: 05.10.2016, 18:13 Uhr

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Feuer mit Feuer bekämpfen




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die Zahl ist zweifellos beeindruckend. Die weltweite Verschuldung liegt bei 152 Billionen Dollar, das sind 225 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Der Internationale Währungsfonds (IWF), der die Zahl publiziert hat, warnt vor dieser Schuldenbombe - mit Recht. Denn zwei Drittel, also etwa 100 Billionen, entfallen auf den privaten Sektor. Das ist ein bisher unerreichter Rekordwert, und die Finanz-Feuerwehrmänner im IWF sind reichlich nervös. Was - so fragen sie sich - wird wohl passieren, wenn die Zentralbanken ihre Niedrigzins-Politik beenden? Eine Rückkehr zu Zinssätzen wie vor der Krise 2007 sei völlig undenkbar, das würden viele Schuldner nicht stemmen.

Sie raten daher, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Damit diese Schulden irgendwie bedient werden können, sollten sich die Länder stärker verschulden. Nur das würde das zu niedrige Wirtschaftswachstum ankurbeln, und ein höheres Wachstum ist notwendig, um diese Schulden beherrschbar zu halten. Ähnlich äußerten sich bereits im Sommer große Zentralbanken. Für die EU würde das einen Paradigmenwechsel bedeuten. Die Budgetdefizite sollten ausgeweitet werden, um das gesamte Wirtschaftssystem stabil zu halten. Bisher wird erzählt, dass nur die Beseitigung dieser Defizite Stabilität garantiere.

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Die Finanzminister haben dabei aber die Rechnung ohne den privaten Sektor gemacht. Die Zentralbanken gehen allmählich dazu über, die Verschuldung allgemein zu betrachten, also öffentliche und private Schulden gemeinsam (in Österreich etwa liegt die öffentliche Verschuldung bei 85 Prozent der Wirtschaftsleistung, die private bei mehr als 130 Prozent).

Die Politik hat sich diese Sichtweise bisher nicht zu eigen gemacht, was wohl mit ein Grund für die Warnung des Währungsfonds war. Die ungeheuer hohe Schuldensumme führt das Argument ad absurdum, dass nur "linke Träumer" ein Ende der Sparpolitik fordern. Der Währungsfonds ist das Gegenteil einer sozialistischen Bewegung.

Worauf die Staaten allerdings achten müssen, ist die Struktur zusätzlicher Staatsausgaben. Es müssen dadurch Investitionen massiv angekurbelt werden, höhere Beamtengehälter hätten wenig Sinn. Denn eines hat der Währungsfonds mit seiner Zahl klargemacht: Wenn Wachstum und Inflation nicht spürbar steigen, ist der nächste Crash bloß eine Frage der Zeit.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-10-05 17:53:04
Letzte nderung am 2016-10-05 18:13:14



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