• vom 24.10.2016, 18:00 Uhr

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Update: 25.10.2016, 20:24 Uhr

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Arbeit & Wirtschaft




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Von Reinhard Göweil


    Chefredakteur Reinhard Göweil.

    Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

    Seit vielen Jahren geistert die Phrase "Flexibilisierung der Arbeitszeit" durch Österreich. Außerdem werde Arbeit zu teuer, die Metaller-Forderung von drei Prozent sei viel zu hoch, sagen die Arbeitgeber. Die Gewerkschaft beharrt darauf und verweist auf eine Arbeiterkammer-Berechnung, wonach in den vergangenen zehn Jahren die Gewinnausschüttungen um 74 Prozent, die Löhne nur um 25 Prozent gestiegen seien. Da die einen "Flexibilisierung" und die anderen "Gerechtigkeit" rufen, ohne jeweils den anderen zuzuhören, bleibt also alles beim Alten. Denn richtig ist beides.

    Es wäre also mehr Fantasie gefragt. Die Höchstarbeitszeit von zehn Stunden täglich (für die es Ausnahmen gibt, etwa im Schichtbetrieb) auf zwölf Stunden per Gesetz zu erhöhen, ist keine Flexibilisierung. Unternehmen machen sich üblicherweise bei Großaufträgen heute schon mit dem Betriebsrat aus, wie der Auftrag am besten abzuarbeiten ist. Das ist flexibel.

    Dass die Industrie derzeit gut verdient, ist ebenfalls nicht wegzuleugnen. Plus drei Prozent bei den Arbeitnehmern sind nur dann zu hoch, wenn die Eigentümer planen, höhere Gewinne auszuschütten. Das allerdings würde die Vermögensschere noch weiter aufgehen lassen, ein Faktum, das von Ökonomen als wachstumsschädlich eingestuft wird. Daher sollten auch die Eigentümer der Unternehmen flexibel sein und dies nicht von den Arbeitnehmern verlangen.

    Was leider fehlt, ist die gemeinsame Basis, wie eine Gesellschaft aussehen soll. Der Wohlstand möge einigermaßen gerecht verteilt werden, so lautete die alte Formel. Es gibt sie nicht mehr. Dabei wäre es klug, auch bei nicht-börsenotierten Firmen Mitarbeiter-Beteiligungsmodelle zu forcieren. Und zwar eine echte Beteiligung à la Voestalpine, keine Gewinnbeteiligung. Das wiederum wird von den Gewerkschaften bekämpft, weil es als neoliberales Instrument gesehen wird, um die Arbeitnehmer zu Klein-Kapitalisten zu erziehen. Andererseits wollen viele Unternehmer diese Mitbestimmung nicht - ein reaktionärer Standpunkt.

    Und so baut sich jeder den Zaun um seinen Schrebergarten immer höher - so lange, bis er den anderen nicht mehr sieht. Dann endlich herrscht Stille - allerdings auch Sprachlosigkeit. Noch ist Österreich von diesem Punkt ein Stück weit entfernt. Doch wenn er erreicht wird, dann ist der Wirtschaftsstandort wirklich abgesandelt.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-10-24 18:05:08
    Letzte ─nderung am 2016-10-25 20:24:52



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