• vom 08.11.2016, 17:33 Uhr

Leitartikel

Update: 08.11.2016, 18:04 Uhr

Leitartikel

Trumps Zerstörungs-Gen




  • Artikel
  • Kommentare (13)
  • Lesenswert (22)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Leitartikel

Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Für Europas Rechtspopulisten kam Donald Trump als Geschenk des Himmels. Insgeheim müssen sie wohl immer gehofft haben, dass er verliert. Denn Trumps Niederlage erlaubt es ihnen, ihre kruden Verschwörungstheorien weiterzuspinnen. Rechtspopulistische und rechtsextreme Politiker verlieren keine Wahlen, das Establishment hat ihnen den Sieg gestohlen - und die Lügenpresse schweigt dazu.

Trump wird daher in Europa weiterhin eine Rolle spielen - egal, ob er die US-Präsidentschaftswahl gewonnen oder verloren hat (was bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch niemand wusste).

Werbung

Dabei sind es genau jene Populisten, die ihrerseits Manipulation in ärgstem Stil betreiben. Trump suggeriert vermeintlichen und echten Wohlstandsverlierern, dass sie doch nichts zu verlieren hätten, wenn sie ihn wählen. Da das Durchschnittseinkommen der Trump-Wähler deutlich über dem US-Durchschnitt liegt, haben sie freilich sehr wohl etwas zu verlieren. Aber gegen Emotionen kommt Vernunft schwer an.

Trump hat alles, was eine freie und friedliche Gesellschaft ausmacht, in den Dreck gezogen. Seine politischen Klone in Europa tun das ebenfalls, und ein besiegter Trump stachelt sie in ihrem Furor gegen alles Etablierte weiter an.

Weg mit allem, was fremd erscheint - so lautet der Schlachtruf von Trump und seinen Kollegen in Europa. Flüchtlinge? Terroristen. Freihandel? Spielzeug für Milliardäre. Politische Kompromisse? Beweis für Korruption.

Wenn Europa von der Trump-Kampagne etwas gelernt hat, dann die Tatsache, dass Rechtspopulisten auf Basis realer Bedrohungen Ängste schüren - und Gegner ausschalten wollen. (Trump kündigte Clinton an, sie nach seinem Wahlsieg ins Gefängnis werfen zu lassen.)

Wenn also Geert Wilders, Marine Le Pen und viele andere Parteien (auch die FPÖ) politisch in Schach gehalten werden sollen, muss die etablierte Politik diese realen Bedrohungen selbst ansprechen - und handeln. Globalisierung, Digitalisierung und Zuwanderung machen vielen Angst in den westlichen Gesellschaften.

Dieses System bloß stur zu verteidigen, wird nur dazu führen, die Populisten an die Macht zu schwemmen. Dann wird sich herausstellen, dass deren rigide Pläne nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu mehr Gewalt und Verwerfungen führen. Doch es wäre fatal, dies in realem Maßstab einmal auszuprobieren.




13 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-11-08 17:38:04
Letzte nderung am 2016-11-08 18:04:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ausgekaisert
  2. Adieu, Währungsunion
  3. Erschöpfung und Mobilisierung
  4. Warum nicht gleich?
  5. Leise Stimmen im Jahr der Schreihälse
Meistkommentiert
  1. Ich wähle Van der Bellen - nicht
  2. Russlands digitaler Krieg
  3. Wir werden uns noch wundern . . .
  4. Schicksalsjahr 2017
  5. Verzweifelte Briten

Werbung