• vom 14.11.2016, 18:01 Uhr

Leitartikel

Update: 14.11.2016, 18:21 Uhr

Leitartikel

Ein Kickl zu viel




  • Artikel
  • Kommentare (38)
  • Lesenswert (168)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Leitartikel

Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner (Strabag) befürchtet, dass ein Erfolg des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer den Anfang des "Öxit" bedeute. Die Äußerungen führender FPÖ-Politiker belegen die Befürchtung, dass Österreich unter ihrer Führung aus der EU herausgeführt werden soll. Daher hat Haselsteiner auf eigene Kosten eine Werbekampagne ins Leben gerufen, in der vor einem Sieg Hofers bei der Präsidentschaftswahl gewarnt wird. Am Montag haben sich Brigitte Ederer, Christian Konrad und Franz Fischler der Kampagne angeschlossen.

Für FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl war dies ein Anlass, per Aussendung eine beschämende Hass-Tirade zu veröffentlichen. Nebst persönlichen Verunglimpfungen sprach Kickl von "Vernebeln, Vertuschen, Täuschen". Das alles mit dem Titel "Haselsteiner, Konrad, Ederer und Fischler sind abgehobenes Establishment in Reinkultur".


Kickl machte sich dabei das aktuelle Schimpfwort "Establishment" zu eigen und verwies darauf, dass nur Norbert Hofer der "verlängerte Arm der Bevölkerung" sein werde. Doch wofür?

Hans Peter Haselsteiner hat den erfolgreichsten Baukonzern geschaffen, den Österreich jemals hatte. Christian Konrad hat ein Raiffeisen-Imperium errichtet, das zehntausende Arbeitsplätze absichert. Brigitte Ederer hat als Siemens-Chefin die Abwanderung von Jobs aus Österreich verhindert. Franz Fischler hat als Minister und EU-Kommissar mehr für die heimische Landwirtschaft getan als alle anderen Politiker des Landes. Alle vier sind sozial engagiert und machen dafür jährlich Millionen locker. Sie engagieren sich für die Zukunft der Jugend, im Forum Alpbach und in anderen Organisationen.

Alle vier sind "Establishment" und haben in ihrem Gestaltungsdrang auch Entscheidungen getroffen, die kritikwürdig sind. Manche waren falsch, niemand macht alles richtig. Doch sie haben etwas getan, und das nicht zu knapp.

Es ist also Zeit, das Wort "Establishment" aus dem Schmuddeleck zu holen, in das es Rechtspopulisten gestellt haben. "Establishment" bedeutet Entscheidungsträger, und solche Entscheidungsträger wird und muss es geben. Die vier von Kickl Beschimpften haben vieles geschaffen, womit sich die Beschimpfung selbst richtet.

Und da Kickl die Wahlkampfstimme Hofers ist, ist dies auch dessen Ansicht. Das ist für ihn betrüblich. Wer Bundespräsident der Republik sein will, denkt und spricht nicht so.




38 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-11-14 18:05:08
Letzte ─nderung am 2016-11-14 18:21:40



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kann die Wahrheit Verhetzung sein?
  2. Das Einfachste am Anfang
  3. Die Schule und die Migration
  4. Die Hegemonie zurückgewinnen?
  5. Bitcoin & Co. - das neue Geld?
Meistkommentiert
  1. Es geht hier nicht um Sex
  2. Kann die Wahrheit Verhetzung sein?
  3. Die "Hashtag-Justiz"
  4. Das Geschäft mit unserer Schwäche
  5. #MeToo - die Chance auf einen gesellschaftlichen Kulturwandel

Werbung




Werbung


Werbung