• vom 18.11.2016, 16:58 Uhr

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Update: 18.11.2016, 17:22 Uhr

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Talente, kommt in die EU!




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Wissenschafter in den USA sind in heller Panik. Donald Trumps Wahlsieg droht ihnen die Forschungsarbeit von Jahren zu zerstören. Klimaforscher und Geisteswissenschafter fürchten, dass ihnen der künftige Präsident die Förderprogramme sperren wird. Sein religiös-reaktionärer Vizepräsident Mike Pence wird noch stärker gefürchtet. Er leugnet die Evolution und sieht in jeder Entwicklung einen Schöpfer am Werk. Naturwissenschafter sind entsetzt, Biomediziner und Genetiker erwarten herbe Rückschläge.

In der Türkei lässt Präsident Recep Tayyip Erdogan die Intelligenz seines Landes verhaften. In Großbritannien fürchten viele Unis um ihre Zukunft, da sie dank Brexit von EU-Forschungsprogrammen abgeschnitten werden und nicht-britische Forscher das Land verlassen wollen.

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Es wäre also hoch an der Zeit, dass europäische Institutionen und Hochschulen eine großzügige Einladung an diese Talente aussprechen. Und dabei politisch von den EU-Verantwortlichen und 27 Regierungen tatkräftig unterstützt werden.

Viel Geld sollte dafür lockergemacht werden, um die Intelligenz dieser Länder zu holen und für sie adäquate Arbeitsplätze einzurichten. Die EU würde davon profitieren.

Wie sehr, haben die USA selbst vorgemacht: Sie nahmen allein zwischen 1933 und 1945 aus Deutschland und Österreich etwa 500.000 Vertriebene auf, die von den Nazis aus politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen ihrer Existenz beraubt worden waren. Für sie waren die USA damals ein Zufluchtsort vor dem sicheren Tod. Für die USA waren sie ein Segen, der sich gar nicht messen lässt. Von den zehn besten Universitäten der Welt stehen bis heute sieben in den USA. Deren Absolventen haben Weltkonzerne und Erkenntnisse geschaffen, auf die der Rest der Welt neidisch blickt.

Nun hätte Europa die Chance, sich bei den Talenten der Welt nach langer Zeit endlich zu bedanken - und eine herzliche Einladung an sie aussprechen: Kommt auf den Alten Kontinent, studiert, forscht, arbeitet hier.

Wenn die europäischen Großkonzerne klug sind, beteiligen sie sich flächendeckend an dieser Einladung an die Talente der Welt. Diese würden es millionenfach zurückgeben, so wie die USA mit der dorthin vertriebenen Intelligenz zur globalen Führungsmacht aufsteigen konnten.

An Geld kann diese Idee nicht scheitern, nur an Unvermögen und mangelnder Fantasie.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-11-18 17:02:08
Letzte ─nderung am 2016-11-18 17:22:39



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