• vom 12.12.2016, 15:12 Uhr

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Update: 12.12.2016, 15:22 Uhr

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Der digitale Krieg




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Russland wird seit Jahren vorgeworfen, den Cyber-Krieg nicht nur zu führen, sondern auch bestens dafür gerüstet zu sein. Derzeit gibt es die Debatte, ob und wie Russland - via Internet - die US-Wahl zugunsten Donald Trumps beeinflusst hat. Die Reaktion des designierten US-Präsidenten Trump könnte wortgleich von Russlands Präsident Wladimir Putin stammen. "Das sind dieselben Leute, die behaupteten, Saddam Hussein hätte Massenvernichtungswaffen."

Damit wird die Glaubwürdigkeit der CIA erschüttert, die von einer russischen Manipulation der US-Wahl ausgeht. Es mutet seltsam an, dass der künftig mächtigste Präsident der Welt seinen eigenen Nachrichtendienst diskreditiert. Putin würde sich so über den russischen Nachrichtendienst FSB niemals öffentlich äußern.

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Gleichzeitig gibt es die offizielle Warnung des EU-Parlaments, wonach russische Netz-Aktivitäten Rechtspopulisten in ganz Europa unterstützen würden. Und der deutsche Nachrichtendienst BND hat eine Warnung veröffentlicht, wonach Russland versuche, die Bundestagswahl 2017 zu beeinflussen.

Dass eine - höflich formuliert - von oben gelenkte Demokratie wie Russland freie Wahlen in anderen Ländern manipuliert, ist eine wenig erfreuliche Nachricht. Der Hinweis, dass die CIA lange Jahre ganze Regime gestürzt oder unterstützt hat, ist zwar richtig, macht es aber nicht besser. Es hilft allerdings dabei, die russischen Aktivitäten zu verstehen. Für Putin und seine Mitarbeiter war und ist das Internet ein US-militärisches Projekt. Schon im Jahr 2000 wurde daher - laut einer Studie - eine Cyber-War-Strategie entwickelt, um die US-Vorherrschaft zu unterwandern. Und zwar, indem die Möglichkeiten des Netzes genutzt werden.

Dieser zeitliche Vorsprung gibt Russland den digital-militärischen Vorsprung, den es derzeit hat. Die Nato hat den Braten gerochen, sehr spät.

Während die Welt also angesichts der militärischen Aufrüstung Panzer, U-Boote, Armeen und Atomraketen zählt, ist dieser Cyber-War quasi der neue Kalte Krieg. Er bleibt unsichtbar, wird aber mit großer Verbissenheit geführt.

Sollte es also wieder einmal Abrüstungsverhandlungen geben, wäre diese ohne Einbindung der sozialen Plattformen und Virenschutz-Unternehmen sinnlos. Denn dieser stille Krieg destabilisiert Länder und Organisationen, ohne dass diese es merken. Und das macht richtig Angst.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-12 15:17:04
Letzte ─nderung am 2016-12-12 15:22:06



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