• vom 13.12.2016, 16:45 Uhr

Leitartikel

Update: 13.12.2016, 18:28 Uhr

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Seltsamer Streik




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die Ärztekammer hat also einen Streik der niedergelassenen Ärzte in drei Bundesländern organisiert, weil die Zukunft der Hausärzte in der Luft hängen soll. Die Ärztekammer war auch schon gegen die Elektronische Gesundheitsakte (Elga), diese gibt es mittlerweile.

So ganz erschließt sich der Sinn und Zweck des aktuellen Ärztestreiks nicht. Immerhin haben sich Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser und Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer in einem gemeinsamen Brief an die Bürgermeister gewandt, um extra zu versichern, dass die Neuerungen in der Gesundheitsreform gerade die praktischen Ärzte am Land unterstützen und nicht abschaffen soll.

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Nun ist es vielleicht zu akzeptieren, dass dieser Teil der Gesundheitsreform von FPÖ und Team Stronach aus politischen Oppositionsgründen abgelehnt wird.

Die Ärztekammer ist aber keine politische Partei, sondern sie ist die Standesvertretung der Mediziner und genießt als solche hohe Mitspracherechte im Gesundheitswesen. Es wäre vermutlich klug, wenn sie ihre Kammerfunktion als internen Interessenausgleich stärker wahrnähme. Die regional recht willkürlichen Honorarsätze nach medizinischen Fachgebieten erscheinen nicht gerade logisch. Das ausführliche ärztliche Gespräch, das spätere Erkrankungen vielleicht zu verhindern hilft, wird bei den Honoraren eher stiefmütterlich behandelt. Leider. Das wäre doch ein lohnendes Thema, hier mit den Krankenkassen zu einer Einigung zu kommen.

Gegen die ins Visier geratenen "Primärversorgungseinrichtungen" könnte wegen der grässlichen Wortschöpfung gestreikt werden. Aus Protest gegen eine stärkere Kooperation mehrerer medizinischer Praxen die Arbeit niederzulegen, erschließt sich dem durchschnittlichen Patienten aber nicht.

Der Streik ist ein legitimes Recht der Arbeitnehmer, um sich gegen ausbeuterische und/oder ungerechte Forderungen von Arbeitgebern oder Regierungen zur Wehr zu setzen. Der Streik ist aber eher kein geeignetes Instrument, wenn es bloß darum geht, den Status quo eines Berufsstandes zu verteidigen.

Doch genau das passiert in Wien, Kärnten und dem Burgenland am heutigen Mittwoch. Vollends seltsam erscheint der Streik, weil Ärzte in den Ambulanzen die Arbeit übernehmen - obwohl diese doch auch Ärztekammer-Mitglieder sind.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-13 16:50:10
Letzte ńnderung am 2016-12-13 18:28:08



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