• vom 19.12.2016, 18:01 Uhr

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Update: 19.12.2016, 18:28 Uhr

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Saukalt




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Von Reinhard Göweil


    Chefredakteur Reinhard Göweil.

    Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

    "Von Lissabon bis Wladiwostok sollte eine Zone der Freundschaft, der wirtschaftlichen und politischen Kooperation und des Zusammengehörigkeitsgefühls entstehen", schrieb Norbert Hofer als Präsidentschaftskandidat in der letzten November-Woche an die "Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft".

    Von Lissabon bis Wladiwostok - das ist der Putin-Slogan für seine Idee einer Eurasischen Union, die auch die heutige EU umspannt. Aus dem Freihandelsraum ist aber mittlerweile eine politische Idee geworden. Sie wird vor allem vom rechtsradikalen russischen Politiker Alexander Dugin forciert, der die EU zerstören will und sie als dekadent bezeichnete. Mit Dugin traf sich Heinz-Christian Strache 2014 in Wien. Jener Dugin, der so nebenbei Österreich und Ungarn im Rahmen seiner Eurasien-Expansionsphantasie auflösen will. Das sind die Partner der FPÖ.

    Damit haben sich die Freiheitlichen klar positioniert. Wenn US-Präsident Donald Trump, einmal im Amt, ein enges Band mit Russland knüpft, wird sich Europa überlegen müssen, wie es politisch damit umgeht. An der Annexion der Krim und der Destabilisierung der Ostukraine ändert sich dadurch ja nichts.

    Eine FPÖ würde sich als Regierungspartei in Österreich eindeutig auf die Seite Russlands schlagen. Ob das für die Europäische Union eine besonders günstige Lösung wäre, darf bezweifelt werden. Viele osteuropäische Länder fürchten sich jetzt schon vor Russland, die EU droht dann an der Russland-Frage zu zerbrechen.

    Nun mag dies im Interesse Russlands liegen, aber wohl kaum im Interesse der österreichischen Bürger. Russland und die EU trennen vom Gesellschaftsmodell Welten. Ob die Fernsteuerung fragmentierter Europa-Staaten aus Moskau ein gutes Zukunftsmodell darstellt, darf getrost verneint werden. Für Europa wäre es zweifellos am besten, einen eigenständigen Weg zu finden. Natürlich ist es notwendig, einen friedlichen Umgang mit Russland zu finden, aber selbst- und nicht fremdbestimmt.

    Diese Fremdbestimmung wird allerdings von sehr rechten Parteien in den EU-Staaten von innen gefördert, mit großzügiger Unterstützung Kreml-naher Institutionen. Die Herren Strache und Hofer schrieben zu ihrem Selfie-Posting aus Moskau: "Saukalt ist es hier". Mit ihrer Reise haben sie wenigstens mitgeholfen, dass es 2017 in Europa politisch nicht wärmer werden wird.

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    Schlagwörter

    Leitartikel, FPÖ, Russland

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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-12-19 18:05:07
    Letzte ─nderung am 2016-12-19 18:28:34



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