• vom 21.12.2016, 17:53 Uhr

Leitartikel

Update: 21.12.2016, 18:02 Uhr

Leitartikel

Verhaltensauffällig




  • Artikel
  • Kommentare (9)
  • Lesenswert (37)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Leitartikel

Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Bei der schulischen Ausbildung behinderter Kinder sollen Familien im Burgenland künftig mehr bezahlen, Landeshilfe werde gestrichen, heißt es. Der Behindertenverband ÖZIV tobt, das sei eine zusätzliche finanzielle Bürde für ohnehin schon belastete Familien. Der burgenländische Sozial-Landesrat Norbert Darabos (SPÖ), früher Verteidigungsminister, sagt, dies sei nötig, weil 57 Prozent der Mittel für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten aufgewendet würden. Diese würden aber keine "Eingliederungshilfe" benötigen, sondern "pädagogisch ausgebildetes Personal". Abgesehen von der Kleinigkeit, dass die Schulen im Burgenland voll davon sein müssten, beinhaltet dieser Vorschlag enormes Potenzial.

So könnte etwa verhaltensauffälligen Politikern die Gage gekürzt werden. Im Nationalrat und in den Landtagen wäre dies locker umzusetzen. Denn sie würden ja keine "Eingliederungshilfe" benötigen, sondern bloß einen pädagogisch geschulten Klubobmann.

Werbung

Verhaltensauffällige Regierungsmitglieder in Bund und Ländern sollten in der Gehaltspyramide ebenfalls nach unten rutschen, sie würden ja bloß einen pädagogisch geschulten Kanzler/Vizekanzler/Landeshauptmann benötigen. Im Burgenland könnte das getestet werden, der dortige Landeshauptmann ist ja eigentlich Lehrer und daher eindeutig pädagogisch geschult.

Um nun zweifelsfrei festzustellen, wer verhaltensauffällig ist, genügt ein Blick in den ORF oder auf die Livestreams der Bundesländerseiten im Netz. Da werden die jeweiligen Nationalrats- und Landtagssitzungen übertragen. Das Publikum könnte entscheiden, welchem Politiker die Gage wegen Verhaltensauffälligkeit abgeräumt wird. Es wäre ein Triumph der direkten Demokratie (seltsam, dass von den Freiheitlichen dazu noch nie was zu hören war).

Die etwa 44.000 bezahlten Politiker in Österreich kosten - auf Basis einer Studie aus dem Jahr 2011 - derzeit etwa 320 Millionen Euro. Nun fällt vermutlich jedem Bürger auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene auf Anhieb ein Politiker ein, der sich verhaltensauffällig benimmt. Allein daran ist zu erkennen, welches Einsparungspotenzial dies birgt.

Darabos ist ein Genie. Denn das damit gesparte Geld könnte beispielsweise problemlos in die schulische Integration behinderter Kinder investiert werden. Oder zur Einstellung von pädagogisch geschultem Personal in der Politik.




9 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-21 17:56:10
Letzte nderung am 2016-12-21 18:02:35



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Das Auto-Kartell
  2. Die neue Hoffnung: der Quereinsteiger
  3. Industrie und Staat
  4. Hallo Handy-Leser!
  5. Die alten Vorurteile des Antisemitismus
Meistkommentiert
  1. Obszön, nicht religiös
  2. Geschlossenes System
  3. Politisches Phänomen
  4. Ein großartiger Staatsmann
  5. Führt uns Bayern in die Dieselfalle?

Werbung




Werbung