• vom 23.12.2016, 16:23 Uhr

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Update: 24.12.2016, 12:18 Uhr

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Abschottungsdoktrin




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Am Freitag, 20. Jänner 2017, endet die Globalisierung. An diesem Tag wird Donald Trump als 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika angelobt. Vielleicht lädt er - als Überraschungsgast - seinen neuen Spezi Wladimir Putin ein. Der würde sicher kommen. Aber er wäre eines der ganz wenigen Staatsoberhäupter, die sich dort wirklich freuen.

Aus wirtschaftlichen Gründen sollte allerdings auch Putin skeptisch sein. Denn die Personalbestellungen des künftigen US-Präsidenten machen eines klar: Wer nicht in den USA - die von US-Bürgern konsumierten Waren und Dienstleistungen - produziert, bekommt ein ordentliches Problem. Mit dem Ökonomen Peter Navarro holte sich Trump einen Nationalisten als Handelsberater ins Weiße Haus. Dieser hat es zwar auf China abgesehen, aber es geht am Ende des Tages gegen jedes Land, das mehr in die USA exportiert als daraus importiert.

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Derzeit schimpft Trump auf China, das im Handel mit den USA einen Überschuss von 350 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Doch wenn die Trump-Doktrin einmal im Weißen Haus sitzt, wird als Nächstes die EU auftauchen. Diese hat 122 Milliarden Euro Handelsüberschuss gegenüber den USA, an die 50 Milliarden entfallen auf Deutschland.

Wenn Trump also Ernst macht, hat Europa ein veritables Problem. Jede nicht exportierte Ware in die USA bedeutet Arbeitsplatzverluste in Europa. Für die vielen Zulieferer an die deutsche Industrie, namentlich die österreichische Industrie, wäre dies überaus negativ.

Wenn aber Feuer mit Feuer bekämpft wird, kann die EU gar nicht anders, als sich ebenfalls abzuschotten. Der Handelsüberschuss mit den USA resultiert aus 371 Milliarden Exporten und 248 Milliarden Importen. Nun, dann müssen halt die US-Importe auch bestraft werden, dies würde in den USA Arbeitsplätze rasieren.

Auf dieser Ebene Wirtschaftspolitik zu machen, ist freilich zerstörerisch. Trumps neuer Handelsberater Navarro sieht das nicht so, er hat ein vergleichsweise simples Weltbild. Die EU sollte daher radikal umdenken. Klüger zu sein, mag eine moralische Überlegenheit signalisieren. Aber bei der sich abzeichnenden geopolitischen Abschottung der USA sollte die EU ihre Industriepolitik neu überdenken. Denn moralische Überlegenheit schafft keine Jobs, das richtet Donald Trump der Welt gerade aus.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-23 16:26:04
Letzte ńnderung am 2016-12-24 12:18:11



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