• vom 28.12.2016, 17:36 Uhr

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Update: 28.12.2016, 19:36 Uhr

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Soziale Innovationen




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Finnland testet das bedingungslose Grundeinkommen. 2000 zufällig ausgewählte Erwerbslose erhalten zwei Jahre lang 560 Euro pro Monat, können daneben aber so viel dazuverdienen, wie sie imstande sind. Finnland will auf diese Weise prüfen, ob sich ein solches Grundeinkommen auf die Motivation, sich eine Arbeit zu suchen, auswirkt.

Nun gibt es auch gute Gründe gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen, aber eine soziale Innovation stellt es sicherlich dar. Auch Österreich sollte sich über seine Sozialsysteme tiefschürfendere Gedanken machen. Denn deren Finanzierung hängt vor allem an den Erwerbseinkommen, und diese sind in den vergangenen 15 Jahren real nicht gestiegen, zudem haben sie im Vergleich zu Vermögenseinkommen deutlich an Bedeutung verloren.


Gleichzeitig ändert sich unsere Gesellschaft. Das traditionelle Familienmodell gerät ins Wanken, doch die umfangreichen Transferleistungen für Familien hängen immer noch stark daran. Patchwork-Familien haben es schwieriger. Und auch die früher eher lückenlosen Berufskarrieren sehen heute ganz anders aus. Der Wechsel zwischen Unselbständigkeit und Selbständigkeit wird in Österreich allerdings strukturell erschwert, was ein ziemlicher Unsinn ist.

Diese Gemengelage zeigt, dass es auch in der Sozialpolitik zu Innovationen kommen muss. Tabus sollten darin keinen Platz finden. Ja, es muss in dieser politischen Debatte auch um Arbeitszeitverkürzung gehen, nicht nur um Flexibilisierung. Der Arbeitsvolumen-Index der Statistik Austria zeigt, dass die geleisteten Arbeitsstunden in Österreich seit 2011 praktisch unverändert geblieben, seither aber 110.000 zusätzliche Jobs entstanden sind.

Soziale Systeme haben insgesamt die Aufgabe, Armut zu verhindern sowie den Zugang zu Gesundheits- und Bildungseinrichtungen gerecht zu gestalten. Allein an dieser Definition ist zu erkennen, dass Österreich hier einen enormen Veränderungsbedarf hätte.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist sicherlich ein Instrument, soziale Investitionen klüger zu lenken. Aber es ist kein Stein der Weisen, um alle Probleme zu lösen. Es geht um eine neue Familienpolitik, und es geht wohl auch - horribile dictu - um eine Verschiebung der sozialen Finanzierung von Erwerbs- hin zu Vermögenseinkommen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-28 17:41:06
Letzte ─nderung am 2016-12-28 19:36:28



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