• vom 25.01.2017, 17:56 Uhr

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Update: 25.01.2017, 18:17 Uhr

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Neid und Tugend




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Wenn man dem anderen keinen Erfolg gönnen will, wird das gemeinhin als Neid bezeichnet. Neid gilt gemeinhin als nicht besonders vorteilhafte Eigenschaft, in der katholischer Kirche sogar als eine Todsünde. Warum Neid also in der Politik gerne als Stilmittel eingesetzt wird, erschließt sich nicht gleich. Politiker wollen ja allgemein als sympathisch wahrgenommen werden. Doch offenkundig ist es salonfähig geworden, bei eigenen Misserfolgen alle anderen gleich mit runterzuziehen.

Das schlechte Image der Politiker hat wohl auch damit zu tun. Es geht gar nicht immer um nicht durchgeführte Reformen, es geht auch darum, wie souverän Politiker miteinander umgehen.

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Gerade dabei wäre es - nicht nur, aber auch in der österreichischen Politik - ratsam, sich stärker an den Kardinaltugenden zu orientieren. Sie wurden in der Aufklärung als Tapferkeit, Freiheit, Güte, Gerechtigkeit definiert.

Das wäre doch was, wenn ein Regierungsprogramm diese vier Überschriften trägt - und erst darunter die vereinbarten Projekte. Nun gibt es Neid natürlich nicht nur in der Politik, sondern ist generell verbreitet. Umso schöner wäre es, wenn die leitenden Funktionäre eines Gemeinwesens (also auch Manager) hier mit gutem Beispiel vorangehen würden.

Scheitern ist in unserer Gesellschaft immer noch mit einem Stigma versehen. Berufliches Scheitern sollte entspannter gesehen werden, fordern Politiker. Wer eine Firmenpleite hingelegt hat, sollte eine zweite Chance erhalten. Gute Idee.

Aber wie glaubwürdig sind solche Politiker, wenn sie selbst - von Neid zerfressen - anderen keinen Erfolg gönnen?

Das politische und wirtschaftliche System krankt am Fehlen der Tugend. Wer erfolgreich ist, wird gerne kleiner gemacht. Erfolglosigkeit wird nicht mit Hilfe, sondern mit Häme begleitet. Mit solchen Prämissen ist kein Blumentopf zu gewinnen - weder privat noch beruflich. Künftige Koalitionsregierungen mögen daher in ihr Regierungsprogramm die vier Kardinaltugenden voranstellen oder es lassen. Haxlbeißerei ist keineswegs auf SPÖ und ÖVP beschränkt, sondern gesellschaftsfähig geworden. Ökonomen haben ihre philosophischen Wurzeln weitgehend vergessen, daher gibt es dazu keine Berechnungen. Aber es ist wohl zu vermuten, dass mit den Kardinaltugenden ein höherer Wohlstand zu erzielen ist als mit Neid.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-01-25 17:59:05
Letzte ─nderung am 2017-01-25 18:17:29



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