• vom 01.02.2017, 18:20 Uhr

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Update: 01.02.2017, 18:32 Uhr

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Europas Stärke




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Europas Wirtschaft sei viel besser und robuster als allgemein angenommen, meinte Wolfgang Eder, Chef der Voestalpine. Doch die internationalen Statistiken teilen die EU auf 28 Länder auf, sodass die wahre Stärke selten sichtbar wird. Das kam zuletzt bei den Olympischen Spielen aufs Tapet. Deren Medaillenspiegel hätte Europa leicht gewonnen, wenn er nicht nach Nationen kategorisiert wäre.

Das mag symbolisch sein, aber hat einen ernsten Hintergrund. Europas Bürger haben wenige gemeinsame Fakten, auf Europa stolz zu sein.

Genau das wäre wichtig. Die Welt, die US-Präsident Donald Trump und sein rechter Chefideologe Steven Bannon schaffen wollen, ist das Gegenteil von Europa. Wenn sich die USA von den 1776 formulierten unveräußerlichen Menschenrechten "Leben, Freiheit und das Streben nach Glück" verabschieden, muss Europa einspringen.

Es geht hier nicht um handelspolitische Konzepte, es geht um die Grundsätze einer freien gesellschaftlichen Ordnung. Umso wichtiger wird es, dass in Europa politische Persönlichkeiten aufstehen und dieses Europa kulturell definieren. Die gestrige Diskussion um Freihandel im österreichischen Nationalrat hat eindrucksvoll bewiesen, dass viele die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Es geht nicht länger um detailverliebte Debatten über Vertragsinhalte.

Es geht ums Ganze. Wollen wir Freihandel oder wollen wir ihn nicht? Nun, natürlich wollen wir ihn. Europa hat ihn erfunden, ist damit reich geworden, materiell und geistig. Gehört der Islam zu Europa? Nun, denken wir uns die Mauren und Osmanen weg - das heutige Spanien und der Balkan (und deren kulturelle Leistungen) würden ebenfalls verschwinden.

Natürlich gibt es aktuelle Bedrohungen, auf die zu reagieren ist. Doch das genügt nicht länger. Wenn Trump jemals eine Chance sein sollte, dann liegt sie darin, dass Europa seine eigene Identität wiederfindet.

Dazu braucht es Identitätsstiftung, unter anderem mit Symbolen. Europa ist die kulturell, geistig und wirtschaftlich stärkste Region der Welt. Und das, obwohl der Anteil Europas an der Weltbevölkerung beständig sinkt. Allein das zeigt die ungeheure Stärke, die dem sogenannten "Alten Kontinent" innewohnt. Sie muss nun genutzt werden, sonst steht am Ende ein gedemütigtes und schwaches Europa, und Trump kann sich gratulieren - "Great Job".

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Schlagwörter

Leitartikel, Europa, USA, Freihandel, EU

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-02-01 18:23:09
Letzte nderung am 2017-02-01 18:32:02



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