• vom 22.02.2017, 16:02 Uhr

Leitartikel

Update: 22.02.2017, 16:20 Uhr

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Rückkehr der Inflation?




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

2 Prozent Inflation - ein Wert, der lange nicht mehr da war. Die große Frage lautet: Was passiert nun? Ist die Teuerung nun getrieben vom Angebot oder von der Nachfrage? Letzteres würde bedeuten, dass die Wirtschaft deutlich anzieht. Und das wiederum wäre ein Indikator, dass die Europäische Zentralbank ihre Nullzinspolitik aufgibt und mit Zinserhöhungen beginnt. Ähnliches hat die US-Notenbank bereits begonnen. Die Chancen dafür stehen allerdings in der Eurozone nicht sehr gut.

Die Arbeitslosigkeit in Europa ist zwar auf 8,5 Prozent gesunken, aber damit immer noch hoch. Das Wirtschaftswachstum ist zwar stabiler als zuletzt, aber immer noch verhalten. Und schließlich gibt es den Brexit, auf den die EZB wohl auch Rücksicht nimmt. Die Briten werden die Zinsen im Pfund wohl eher nicht erhöhen. Würden die Euro-Zinsen steigen, wäre ein weiterer Kursverfall des Pfunds die Folge, was wohl niemand will. Zu schlechter Letzt aber würde eine Zinserhöhung die Budgets in der Eurozone empfindlich treffen. Ein schöner Teil der fiskalischen Stabilität geht auch aufs Konto der gesunkenen Zinsen auf die Staatsschuld.


Es spricht also alles dafür, dass sich die EZB mit Zinserhöhungen noch länger zurückhalten wird, auch wenn die Inflation wieder in jene Höhe klettert, die von der EZB gewünscht wird.

Übrig bleiben bei dem Spiel die Sparer. Die Geldentwertung geht bei 2 Prozent Inflation schneller vonstatten als bei 0,2 Prozent. Und übrig bleiben auch die Masseneinkommen, denn die Lohnabschlüsse gingen durch die Bank von einer niedrigeren Teuerung aus.

Bleibt also der Hinweis, dass sich diese Inflation auch rasch wieder in die Unsichtbarkeit zurückziehen kann, etwa wenn die Energiepreise wieder sinken sollten. Sollte etwa US-Präsident Donald Trump seine isolationistische Wirtschaftspolitik tatsächlich umsetzen, würde das weltweite Wachstum ohne Zweifel beschädigt. Es gäbe dann keinen Grund mehr für steigende Ölpreise, selbst wenn die Opec ihre wacklige Förderkürzung tatsächlich durchhielte.

Von einer Rückkehr der Inflation zu sprechen, scheint daher etwas verfrüht zu sein. Umso mehr, als viele Unternehmen gelernt haben, sich in diesem Umfeld zu bewegen. Die größten deutschen börsennotierten Konzerne verzeichneten im Vorjahr Rekordgewinne. Das reduziert den Druck, Preise erhöhen zu müssen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-02-22 16:06:04
Letzte nderung am 2017-02-22 16:20:57



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