• vom 04.04.2017, 15:21 Uhr

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Update: 04.04.2017, 16:42 Uhr

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Ist die Welt pleite?




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die öffentlichen und privaten Schulden Griechenlands belaufen sich gemeinsam auf mehr als 240 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Der Internationale Währungsfonds will eine teilweise Tilgung der Staatsschuld, um eine Pleite zu verhindern.

Die Welt hat 2016 insgesamt Schulden in Höhe von umgerechnet 202 Billionen Euro angehäuft, das entspricht sogar 325 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Ist also die Welt pleite?

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Das Beispiel Griechenland würde das nahelegen. Freilich ist es im globalen Maßstab anders zu betrachten. Erstens fehlt in dieser Betrachtung das damit erwirtschaftete Vermögen. Und die Welt ist ja nicht nur Schuldner, sondern auch Gläubiger - wenigstens, solange es keine Banken auf dem Mars gibt.

Aber die Zahl ist doch bemerkenswert, weil sich die Frage nach den Sicherheiten für die Schulden stellt. Einen schönen Teil entnehmen wir der Erde. Unser globaler Ressourcenverbrauch liegt derzeit jährlich bei 1,5 Erden.

Dieser Kredit ist teuer: Klimawandel, an der ökologischen Kippe stehende Flüsse und Ozeane sowie vom Menschen devastierte Festlandflächen - das ist die Zins- und Zinseszinsrechnung dazu.

Auch die Geldschöpfung kann ziemlich kostspielig werden, wie die Finanzkrise seit 2007 in bestürzender Weise gezeigt hat.

Die globalen Zahlen des Institute for International Finance zeigen jedenfalls eines deutlich: Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse - die einen mehr, die anderen weniger.

Und es zeigt sich noch etwas: Die nationale Betrachtung von öffentlichen und privaten Schulden hat jeglichen Sinn verloren. Wenn die Türkei pleitegeht - sollte Erdogan so weitermachen, ist dies leicht möglich -, wird es egal sein, wie gut oder schlecht die politischen Beziehungen zur Europäischen Union sind. Dann wird Europa viel Geld in die Hand nehmen müssen.

Den globalen Schuldenberg weitergedacht, gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens den Ressourcenverbrauch möglichst rasch zurückzufahren - das wird mit US-Präsident Donald Trump, der den Klimawandel als Schimäre abtut, schwieriger. Zweitens öffentliche Schulden über den nationalen Tellerrand hinaus zu betrachten: Eine europäische Stelle nimmt jenes Geld auf, das alle EU-Staaten benötigen - Stichwort Eurobonds. Die Welt kann nicht pleitegehen, große Regionen auch nicht. Ein Land schon.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-04 15:27:08
Letzte ńnderung am 2017-04-04 16:42:50



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