• vom 19.04.2017, 17:29 Uhr

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Update: 19.04.2017, 17:40 Uhr

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Ferienstimmung!




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

26 Prozent der Jugendlichen, die bloß die Schulpflicht erfüllen, finden keinen Job. Das Schulautonomiepaket geht einen zähen Weg. Das heimische Schulwesen zählt - angesichts der pädagogischen und gesellschaftlichen Entwicklungen - nicht unbedingt zu den modernsten. Umso wichtiger ist der jüngste bildungspolitische Vorschlag der Familienministerin zu bewerten. Sie will neue Ferien, im Herbst, zwischen Nationalfeiertag und Allerseelen.

In der Tat blitzt im monatelang vorbereiteten Vorschlag bereits die Lösung aller bildungspolitischen Probleme Österreichs durch. Es wäre doch überlegenswert, die Schulen zwischen Neujahrstag und Silvester in die Ferien zu schicken. Dann hätte die Politik die blöde Bildungsreform endlich vom Hals, was ja auch eine Lösung wäre. Irgendwie halt.

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Weniger sarkastisch betrachtet bleibt angesichts solcher Ideen nur noch Bestürzung. Die Welt ist komplex geworden, daran ist niemand schuld. Doch sie sollte verstanden werden. Der technologische Wandel der Arbeitswelt wird den jetzigen Kindern später umfangreiche Fähigkeiten abverlangen. Wer Demokratie und Freiheit als höchste Güter definiert, muss Interesse an einem generell hohen Bildungsniveau haben.

Wer in so einem Umfeld und in Kenntnis des Problemstaus im Bildungsbereich als nächste Maßnahme Herbstferien fordert, hat ein Problem mit Prioritäten. Was immer die Familienministerin geritten haben mag, der ÖVP hat sie keinen Gefallen getan. Damit verstärkt sie deren Rolle als Bildungs-Betonierer, obwohl sich Staatssekretär Harald Mahrer alle Mühe gibt, das Gegenteil zu beweisen.

Das Beispiel Herbstferien zeigt aber leider auch, wie weit politische Kabinette von der Lebenswirklichkeit entfernt sind. Dieselbe Regierung hat sich auf eine Flexibilisierung der Arbeitszeit verständigt. Das sollte logischerweise bedeuten, dass auch Schulen mit den Unterrichts- und Betreuungszeiten flexibler werden.

Nun sind die schulautonomen Tage insgesamt schon ein Relikt, zwei Monate Sommerferien sowieso. Es dürfte gescheiter sein, die zwei Monate übers Jahr besser zu verteilen, die schulautonomen Tage zu streichen oder wenigstens zu reduzieren.

Und dass die Ministerin damit auch noch der Schulautonomie in die Parade fährt, ist wohl ebendieser Ferienstimmung zuzurechnen.




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Dokument erstellt am 2017-04-19 17:33:05
Letzte Änderung am 2017-04-19 17:40:05



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