• vom 05.05.2017, 14:31 Uhr

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Update: 05.05.2017, 17:40 Uhr

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Neues Wirtschaften




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Selbst wenn Emmanuel Macron am Sonntag französischer Präsident wird, muss sich die Europäische Union verändern. Die jüngste EU-weite Umfrage unter Jugendlichen zeigt, dass eine große Mehrheit mit geringerem Wohlstand als ihre Eltern rechnen. Die etablierten Parteien, aber auch die etablierte Wirtschaft sollten daraus Lehren ziehen. Wenn sich die meisten Jungen als Wohlstandsverlierer einschätzen, ist der Rechtspopulismus auch bei einem Sieg Macrons nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Daher rufen Ökonomen, Politiker und Gewerkschafter erneut dazu zu signifikanten Veränderungen auf.

Ähnliche Aufrufe gab es schon früher, sie endeten im Nirgendwo. Auch das führte zum Erstarken rechter Parteien, denn die Demokratie wird von ihnen gleichgesetzt mit einem räuberischen Kapitalismus, der vor allem die Privilegien einer kleinen, aber reichen Gruppe von Menschen beschützt. Es stimmt, dass die Armut global zurückgedrängt werden konnte, aber innerhalb der Industriestaaten steigt die soziale Ungleichheit. Spanien erlebt gerade erstaunlich hohe Wachstumsraten. Trotzdem glauben 54 Prozent der jungen Spanier, dass es ihnen schlechter gehen wird als ihren Eltern.


Ein Großteil dieser Jugendlichen sieht die EU nicht mehr als Friedensprojekt, sondern als Wirtschaftsgemeinschaft. Das entspricht durchaus dem Tun der (von den Rechtspopulisten zum Schimpfwort degradierten) Eliten.

Um Europa zu retten, muss es also eine glaubwürdige wirtschaftliche Alternative werden. China und Russland zählen zu den Ländern mit den schärfsten sozialen Kontrasten und sind weder politisch noch wirtschaftlich als Vorbilder zu gebrauchen. Donald Trump macht aus den USA gerade die Gespaltenen Staaten von Amerika, taugt also auch nicht dazu. Europa hätte aufgrund seiner enormen Wirtschaftskraft die Chance, etwas Neues auszuprobieren. Eine ökosoziale Marktwirtschaft, die den Namen verdient, wäre ein gutes System. Man muss nicht gegen Globalisierung sein. Es würde schon genügen, die Transporte auf ihre tatsächlichen Kosten hochzurechnen, um vollkommen sinnlose Wertschöpfungsverlagerungen zu unterbinden. Und: Bildung, Bildung, Bildung. Allein das würde Investitionsströme umlenken, sodass Europas Jugend wieder Zutrauen fassen kann. Ein Wahlsieg Macrons würde Europa dafür Zeit einräumen. Die muss aber endlich genutzt werden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-05 14:36:05
Letzte ńnderung am 2017-05-05 17:40:38



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