• vom 26.05.2017, 17:02 Uhr

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Update: 26.05.2017, 19:17 Uhr

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Trump im Porzellanladen




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Der überaus humorbegabte Papst Franziskus fragte die gebürtige Slowenin Melania Trump bei der Audienz, ob sie ihrem Mann "Potica" zu essen gebe - eine slowenische Teigrolle, eher üppig und kalorienreich. Sie nickte. Es ist also hoch an der Zeit, den US-Präsidenten auf Diät zu setzen - auch politisch. In den USA erledigt das gerade ein funktionierender Rechtsstaat. Angesichts immer neuer Enthüllungen um seine Russland-Connections wird einem angst und bang. Die Einmischung von Präsident Wladimir Putin zugunsten Trumps in den US-Wahlkampf und die finanzielle Unterstützung aus Russland für sein Firmengeflecht sind ungeheuerlich und münden hoffentlich in seinen frühzeitigen Rücktritt.

Seine Europa-Reise nutzte Trump noch einmal, um alle zu brüskieren. Abseits seines ungehobelten Benehmens glaubt er offenbar, Europa etwas vorschreiben zu können. Erst bei der Nato in Brüssel, dann beim G7-Gipfel auf Sizilien. So verlangt Trump von den EU-Ländern neue bilaterale Handelsabkommen.

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Damit erledigt der 45. Präsident der USA das politische Geschäft Putins. Er treibt einen Keil in die Nato und in die EU. Und mischt sich arrogant in interne EU-Belange ein, die ihn nichts angehen. Denn Handelspolitik ist EU-Thema, kein nationales. Das sollte ein US-Präsident eigentlich wissen. Umgekehrt versucht ja auch die EU nicht, zum Beispiel mit dem US-Bundesstaat Kalifornien bilaterale Handelsabkommen zu verhandeln. Mit dieser Forderung will Trump die EU auseinanderdividieren - genauso wie Putin.

Europas Bürger haben hier ein gutes Gespür. Mehr als 70 Prozent fürchten sich vor Trump. Das ist eine feste Basis für die europäischen Regierungschefs, hier eine klare Linie zu verfolgen. Wenn der US-Präsident das große Handelsdefizit mit der EU beklagt, sollte er zu Hause fragen, warum die US-Industrie nicht konkurrenzfähiger ist. Und die US-Internetkonzerne sollten Trump darauf aufmerksam machen, welch gute Geschäfte sie in Europa machen.

Ob der US-Präsident zu entsprechend reflektierten Schlussfolgerungen fähig ist, muss leider bezweifelt werden. Es würde die Welt sicherer machen, wenn sich Trump bald auf die vielfältigen Zubereitungsarten von "Potica" konzentrieren könnte - und den Job als US-Präsident jemand überließe, der dafür qualifiziert ist.

Der päpstliche Segen wäre ihm dafür wohl sicher.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-26 17:06:05
Letzte ─nderung am 2017-05-26 19:17:04



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