• vom 11.07.2017, 17:24 Uhr

Leitartikel

Update: 11.07.2017, 18:20 Uhr

EU

Land. Wirtschaft?




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Nitrat- und Nitrit-Belastungen in den Wasserspeichern steigen, in manchen Teilen Österreichs ist Leitungswasser nicht mehr trinkbar. Gleichzeitig wird in Ostösterreich überlegt, mit öffentlichen Investitionen Donauwasser abzuleiten, um dem Dürre-Problem der dortigen Ackerkulturen zu entkommen. Die werden durchwegs von Großbauern betrieben. Gleichzeitig erhält die Landwirtschaft EU-weit die höchsten Förderungen, etwa 50 Milliarden Euro aus dem EU-Budget fließen jährlich in die sogenannte "Gemeinsame Agrarpolitik".

Es läuft was schief in der Landwirtschaft, und zwar ganz gewaltig. Das deutsche Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), eines der führenden Wirtschaftsinstitute in Europa, hat die Landwirtschaft durchleuchtet und kommt zu einem deutlichen Befund: anachronistisch. So sorgt die auf die bewirtschaftete Fläche ausgerichtete öffentliche Förderung zu einer erheblichen sozialen Schieflage. 80 Prozent der einkommensschwächsten Höfe bekommen 25 Prozent der Mittel. Die größten zehn Prozent, die durchaus als Großgrundbesitzer bezeichnet werden können, vereinnahmen dagegen 55 Prozent aller Subventionen.

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Auch die EU-Kommission ist aufgewacht. Sie hat eine große Umfrage für Agrarpolitik gestartet, deren Ergebnis ernüchternd ausfällt. 55 Prozent aller EU-Bürger sind der Meinung, dass Umwelt- und Klimaschutz die größte Herausforderung für die Landwirtschaft darstellt. Bei den Bauern selbst sinkt dieser Wert auf 28 Prozent.

Die Ergebnisse von ZEW und EU-Kommission zeigen also ein beängstigendes Bild. Bisher hat die wirklich erfolgreiche Agrar-Lobby geschafft, die Landwirtschaft aus der Diskussion über den ökologischen und ökonomischen Wandel herauszuhalten. Während die Industrie beim Thema Klimaschutz in der Auslage steht, kommt die Landwirtschaft praktisch nicht vor. Das Ernährungsthema schlägt offenbar alles.

In Europa hat das wenig Sinn. Natürlich müssen in Zeiten allgemeiner Sparsamkeit auch die Agrar-Subventionen sinken. Und die verbleibenden müssen umgeschichtet werden. Niemand spricht von Start-ups in der Landwirtschaft. Ein verhängnisvoller Fehler. Auch die Landwirtschaft wird nur mit Innovationen und als "klassisches KMU" nachhaltig zu gestalten sein. Donauwasser für Zuckerrüben abzuleiten, ist zu wenig, zu zaghaft, zu konservierend.




Schlagwörter

EU, Landwirtschaft

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-11 17:30:05
Letzte ─nderung am 2017-07-11 18:20:10



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