• vom 18.07.2017, 16:49 Uhr

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Update: 18.07.2017, 17:42 Uhr

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Die Dollar-Krise




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die Militärparade am 14. Juli in Paris war ganz nach dem Geschmack des Donald Trump. Nun ist er wieder daheim, also weniger Tourist und mehr US-Präsident, was wohl nicht seinem Lebensstil entspricht. Erstens sind seine Zustimmungsraten auch in den Staaten auf historische Tiefs gefallen. Zweitens ist seine Woche "Made in USA" überschattet von der kleinen Tatsache, dass selbst seine roten Baseball-Kapperl "Make America Great Again" in China gefertigt werden und die Modelinie seiner Tochter Ivanka eher in Asien gefertigt wird. Und drittens ist er neuerlich mit seinem Versuch, das Krankenversicherungssystem "Obamacare" seines Vorgängers zu kippen, gescheitert. Dass nun auch sein Sohn in die Russland-Ermittlungen involviert ist, wird seine Laune wohl auch nicht heben. Und die von ihm angekündigte "großartige Steuerentlastung" wird wohl so großartig nicht werden.

Nun können uns in Europa die Befindlichkeiten von US-Präsidenten eher egal sein, aber eine solche Serie an Niederlagen hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Der Dollar schmierte ab, im Gegenzug stieg der Euro auf den höchsten Stand seit Mai 2016. Das wieder brachte die Aktienbörsen in Europa unter Druck, weil Trump ja - wenig verklausuliert - Deutschlands Exportüberschüsse kritisierte.

Die Trump’sche Politik à la "Made in USA" wird zunehmend zur größten Gefahr für die Weltwirtschaft. Der Satz allein ist eigentlich Irrsinn. Jahrzehntelang waren die USA die Konjunktur-Lokomotive für die Welt, ihren Importhunger stillen sie bis heute mit der globalen Leitwährung, dem Dollar. Wenn Trump nicht vorzeitig abgesetzt wird, steht die Welt vor der größten Veränderung seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 - dem Ende der Dollar-Herrschaft. Trump führt die USA politisch - wie beim G20-Gipfel zu sehen war - in eine Außenseiterrolle. Wirtschaftlich will er die USA abschotten.

All das bedeutet, dass auch der Dollar seine dominante Stellung einbüßen wird. Darauf ist die Welt nicht vorbereitet, die meisten Rohstoffe werden in Dollar gehandelt. Damit könnte es bald vorbei sein, wenn Trump so weitermacht. Russlands Präsident Putin wird das recht sein. Je schwächer die USA, desto besser für ihn. Europa beziehungsweise die EU werden aber überlegen müssen, ob sie im internationalen Handel weiterhin auf den Dollar setzen, der mehr und mehr in den Strudel Trump’scher Absurditäten gerät.





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Dokument erstellt am 2017-07-18 16:54:05
Letzte ńnderung am 2017-07-18 17:42:28



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