• vom 17.08.2017, 17:32 Uhr

Leitartikel

Update: 17.08.2017, 23:40 Uhr

USA

Kollaborateure & Apologeten




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Von Thomas Seifert

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Thomas Seifert

Thomas Seifert

Es war eine bezeichnende Szene: John Kelly, Stabschef des Weißen Hauses, blickt traurig-beschämt zu Boden, als der Commander in Chief, Donald Trump, seine Tirade loslässt. Zum wiederholten Mal weist Trump die Schuld an den blutigen Unruhen von Charlottesville, Virginia, bei der die progressive Bürgerrechtlerin Heather Heyer von einem Rechtsextremisten getötet wurde, nicht den bewaffneten Neonazis, Ku-Klux-Klan-Rassisten und Alt-Right-Schlägern zu, sondern "allen Seiten". Kelly ist als ehemaliger General der Marines mit Sicherheit kein zartbesaitetes Weichei, aber er sah am Dienstag, als er neben Trump stand, aus, als wäre er auf einer Beerdigung. Und in gewissem Sinn war er das auch: Die wenigen verbliebenen verstandesbegabten engen Berater im Trump-Umfeld müssen nämlich die Idee begraben, dass sie einen mäßigenden Einfluss auf ihren Chef ausüben können. Ein Verbleib in der Administration bedeutet für sie, dass sie mit einem pechschwarzen Fleck in ihrer Biographie weiterleben müssen.

Ähnlich jene Kongressabgeordneten, die weiter ihre schützende Hand über den 45. US-Präsidenten halten. Sie werden Rechenschaft darüber ablegen müssen, warum sie es nicht über sich bringen, einen Präsidenten mit dubiosen Russland-Kontakten und Verständnis für Rassisten und Neonazis aus dem Amt zu entfernen. Mit ihrem Zögern werden sie zu Kollaborateuren eines Präsidenten, der mit seiner Haltung zu den Krawallen in Charlottesville die dunkelsten Dämonen der US-Geschichte wachgerufen hat. Und auch am Donnerstag hat er weiter Öl ins Feuer gegossen und sich in den Streit um Statuen, die zu Ehren von Generälen der Konföderierten aufgestellt worden sind, eingemischt. Es sei dumm, diese zu entfernen. Trump kennt nur die Eskalation - von nun an trägt er persönlich die Verantwortung, wenn es zu weiteren Krawallen kommt.

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Die Verantwortung für die Katastrophe tragen letztlich die Machteliten der republikanischen Partei. Der Politikwissenschafter an der Princeton-Universität Jan Werner Müller (derzeit beim Europäischen Forum Alpbach) weist richtigerweise darauf hin, dass Trump ohne die Unterstützung der Republikanischen Partei vielleicht 10, 15 Prozent der Stimmen bekommen hätte. Für die Republikaner war Trump das Sprungbrett zur Macht im Oval Office. Sie werden sich vor der Geschichte zu verantworten haben.




Schlagwörter

USA, Donald Trump, Charlottesville

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-17 17:36:10
Letzte ńnderung am 2017-08-17 23:40:47



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