• vom 02.10.2017, 17:30 Uhr

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Update: 02.10.2017, 17:59 Uhr

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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Selbst wenn die ÖVP mehr und länger über die Causa Tal Silberstein Bescheid wusste, als sie zugibt, und selbst wenn die Volkspartei in Sachen Dirty Campaigning durchaus Erfahrung hat - die aktuelle Silberstein-Affäre wird die SPÖ nicht mehr los. Denn bestürzend ist vor allem, wer aller in der SPÖ-Führung keine Ahnung hatte, was da abgeht auf Facebook, und dass ehemalige ÖVP-Mitarbeiter einen Drecksjob erledigten, von dem sie wenigstens annehmen mussten, dass es für die SPÖ war.

Christian Kern hat am Sonntagabend bei der Elefantenrunde auf ATV noch das Beste daraus gemacht, aber es bleibt ein Faktum, dass er als Spitzenkandidat nicht wusste, welche Auswüchse seine Wahlkampagne angenommen hatte. Er hat zwar Silberstein rausgeschmissen, aber davor hatte er ihn auch engagiert. Und dass Silberstein in der Wahl seiner Mittel nicht gerade zart besaitet ist, war bekannt.

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Die nunmehrige Facebook-Affäre wird vielen Bürgern in Österreich zu komplex sein, sie ist auch für professionelle Polit-Beobachter schwierig zu durchschauen, denn Kern ist ebenfalls ein Opfer. Aber die Volkspartei reitet genüsslich auf dem Thema herum, dass ein Manager wie Kern wenigstens die eigene Partei im Griff haben sollte, wenn er das Land führen will.

Dieses Argument kann er schwerlich entkräften, denn eine der Ursachen für die Silberstein-Wahnsinnigkeiten liegt in der fehlenden Koordination zwischen Kerns Kabinett im Bundeskanzleramt und der Parteizentrale in der Löwelstraße. Das wäre seine Aufgabe gewesen, doch auch der von ihm geholte SPÖ-Geschäftsführer Georg Niedermühlbichler konnte das nicht bewerkstelligen.

Schon vor der Silberstein-Facebook-Affäre war es ziemlich wahrscheinlich, dass am 15. Oktober Sebastian Kurz als Nummer eins durchs Ziel gehen wird. Nun ist es noch wahrscheinlicher geworden.

Die SPÖ hingegen wird sich fragen müssen, ob ihre Strukturen noch in diese Zeit passen. Denn offene Diskussionen in den Führungsgremien hätten einige der unfassbaren organisatorischen Fehler, die der SPÖ im Wahlkampf unterlaufen sind, verhindert. Zwei Wochen vor einer Wahl so eine Operation durchzuführen, mag konsequent sein, ist aber zu spät. Die SPÖ kann, wenn sie diese Wahl verliert, nur sich selbst dafür verantwortlich machen. ÖVP-Chef Kurz wäre jedenfalls kein übermächtiger politischer Gegner.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-02 17:36:05
Letzte ńnderung am 2017-10-02 17:59:21



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