• vom 17.10.2017, 17:27 Uhr

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Update: 17.10.2017, 17:39 Uhr

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Der grüne Pilz




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Von Reinhard Göweil

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Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Grünen in einer Zeit aus dem Nationalrat fliegen, in der sich der Klimawandel auswirkt wie nie zuvor. Andererseits zeigt sich dadurch, dass es wohl nicht an ihren Themen gelegen hat, sondern ein selbstverschuldetes Elend ist. Dafür spricht einiges. Der Abgang von Eva Glawischnig als Bundessprecherin ist gerade einmal fünf Monate her, sie zerrieb sich an ihrem sinnlosen Disput mit den "Jungen Grünen" und Peter Pilz, der inhaltliche Änderungen forderte. Dafür wurde er bei der Listenerstellung zur Nationalratswahl abgestraft, der Rest ist Geschichte.

Bei der Wahl haben die Grünen noch mehr geblutet, weil viele ihrer urbanen Wähler zur SPÖ gingen, um Schwarz-Blau zu verhindern. Das hat auch nicht funktioniert, was das grüne Desaster 2017 quasi vollendet. Dass nun Ulrike Lunacek und Ingrid Felipe dafür die Verantwortung übernehmen und ihre Bundesfunktionen zurücklegen, ehrt sie - nur können sie nichts dafür.


Als Nukleus für den parlamentarischen Wiedereinzug bleibt eigentlich - wieder eine Ironie - Pilz, dessen Liste es mit Ach und Krach in den Nationalrat geschafft hat. Eine bloße Neugründung der Grünen wäre sinnlos. Organisatorisch wäre - nach einer Insolvenz - der Eintritt in die Liste Pilz das Klügste. Mit der Weisheit des Rückblicks betrachtet, hätten die Grünen im Mai Pilz gleich zum Bundessprecher machen sollen.

Damit wäre es aber nicht getan. Die Grünen leiden in den Landesregierungen an inhaltlicher Blässe. In Kärnten waren sie Helfer in der Not, nachdem die FPÖ die dortige Landeshypo mit Bomben und Granaten versenkt hatte. Das genügt nun nicht mehr, wie der Wahlsonntag gezeigt hat. Im Westen (Salzburg, Tirol, Vorarlberg) sind sie wenig mehr als sympathische Mehrheitsbeschaffer für eine dominierende ÖVP. In Wien ist es mit der SPÖ nicht recht viel anders, plus politische Harakiri-Aktionen wie das Immobilienprojekt am Heumarkt, also weniger Sympathie.

Auch Maria Vassilakou muss die Frage beantworten, wie es denn in Wien zu einem so desaströsen Wahlergebnis kommen konnte. Das wird nicht leicht. Die Grünen müssen sich schlicht und ergreifend neu definieren, inhaltlich und personell. Wenn sie künftig eine Rolle in der Politik spielen wollen, sollten sie das sehr rasch tun. Sonst fliegen sie 2018 auch aus Landtagen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-17 17:33:07
Letzte nderung am 2017-10-17 17:39:07



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