• vom 10.11.2017, 17:42 Uhr

Leitartikel

Update: 10.11.2017, 18:15 Uhr

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Das Geschäft mit unserer Schwäche




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Von Walter Hämmerle

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Walter Hämmerle

Walter Hämmerle Walter Hämmerle

"Theresa May tritt zurück. Boris Johnson wird Premier. Sex-Skandal. David Davies wird Premier. No-Deal-Brexit. Jeremy Corbyn wird der fünfte Premier innerhalb von drei Jahren. Die Queen stirbt. Venezuela."

Mit diesen knappen Worten hat der britische Bestsellerautor Robert Harris ("München") auf dem Kurznachrichtendienst Twitter am Beispiel seiner britischen Heimat mit wenigen Worten das bedrückende Gefühl auf den Punkt gebracht, wie schnell selbst in einem reichen und vorgeblich doch so stabilen westlichen Land die Dinge ins Rutschen kommen können. Und alles nur, weil für einen ganz kurzen Moment die politische Vernunft über Bord geworfen wird.


In Großbritannien war dieser kurze Moment der Brexit und die anschließende kopflose Reaktion der Politik darauf. Aber die Lehre daraus ist eine grundsätzliche: Kein Land kann sich sicher sein, nicht auf die selbe schiefe Ebene zu geraten. Kein Land. Dieses Gefühl, dieses Bewusstsein, ist neu, für die jetzt aktive Generation genau so wie für ihre Vorgänger. Und deswegen ist die heutige Führungsgeneration so augenscheinlich ratlos und die abgetretene so besserwisserisch.

Der unermüdliche Schöpfergeist des Menschen hat es geschafft, die verwundbarsten Stellen der menschlichen Natur aufzuspüren. Doch anstatt diese zu beheben, haben die klügsten Köpfe daran gearbeitet, die Defizite der menschlichen Psyche auszunutzen und daraus ein phänomenales Geschäftsmodell zu entwickeln.

Das ist keine krude Verschwörungstheorie, dieses "Geständnis" stammt vom Social-Media-Pionier und Milliardär Sean Parker. So viel zum Mythos, der Fortschritt laufe darauf hinaus, das psychische Mängelwesen Mensch zu optimieren. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt, und die Folgen machen auch vor der Politik nicht Halt.

Eine Garantie, dass sich am Ende die Vernunft durchsetzt, gibt es ohnehin nicht. Zumal der Wahnsinn nicht nur inmitten der anonymen Massen wächst und gedeiht, weshalb nur eine aufgeklärte Kaste weiser Politiker den Weg in eine bessere Zukunft zu weisen imstande ist.

Es gibt durchaus auch den umgekehrten Fall: durchgeknallte Politiker, die von den Bürgern in die Schranken gewiesen werden müssen. Katalonien ist so ein Beispiel. Spannend, in welche Richtung es in Österreich geht.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-10 17:47:07
Letzte nderung am 2017-11-10 18:15:12



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