• vom 27.11.2017, 17:39 Uhr

Leitartikel

Update: 27.11.2017, 18:03 Uhr

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Glyphosatfreie Zone Österreich




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Von Thomas Seifert

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Thomas Seifert.

Thomas Seifert. Thomas Seifert.

Die Verlängerung der Zulassung für das Pestizid Glyphosat durch die EU-Kommission ist eine herbe Enttäuschung für die Umweltschützer. Jahrelang haben sie dafür in Brüssel lobbyiert, dass die Zulassung dieses Pflanzenschutzmittels, Unkrautvernichtungsmittels oder Pflanzengiftes - schon an der Bezeichnung für C3H8NO5P lässt sich erkennen, auf welcher Seite man steht - nicht um fünf Jahre verlängert wird. Die chemische Industrie verwies hingegen stets auf die Unbedenklichkeit von Glyphosat. Beide Seiten zitierten wissenschaftliche Studien, die ihre jeweilige Argumentationslinie stützten.

Die Entscheidung der EU-Kommission, die in Absprache mit den Landwirtschaftsministern der einzelnen EU-Länder erfolgt ist, ist kritikwürdig. Denn Aufgabe des Staates (und in diesem Fall der EU) ist es, Schaden von den Bürgern abzuhalten. Auch wenn die Experten nur von einem Verdacht sprechen, dass Glyphosat krebserregend sein könnte, sollte das genügen, um der Chemikalie die Zulassung zu verweigern.


Mit der Diskussion um Glyphosat (wie zuvor um Insektizide der Neonikotionid-Gruppe, die in Verdacht stehen, massiven Anteil am Bienensterben zu haben) wird aber die größere Problematik industrieller Landwirtschaft offenbar. Denn der Einsatz von Unmengen Chemie ließe sich mit vernünftigen Bewirtschaftungsmethoden drastisch reduzieren. Fruchtfolgen, Raumplanung und mehr Diversität auf den Äckern statt riesiger Monokulturen würden den Düngemittelverbrauch reduzieren (Stickstoffdünger wird aus Erdgas gewonnen, Phosphor ist eine endliche Ressource) sowie den Pestizid-, Fungizid- und Herbizideinsatz minimieren helfen.

Gefordert sind aber auch die Konsumenten: Sie können mit ihrer Marktmacht die Landwirtschaft zum Umdenken bewegen. Dass sie dabei höhere Preise in Kauf nehmen müssen, versteht sich von selbst. Gleichzeitig braucht es aber auch mehr Transparenz: Die Konsumenten haben ein Recht auf detaillierte Informationen, wie die Produkte, die auf ihren Tisch kommen, erzeugt worden und welche Chemikalien dabei zum Einsatz gekommen sind.

In Österreich liegt - was Lebensmittel betrifft - das Qualitätsbewusstsein über dem EU-Schnitt, und auch bei Österreichs Landwirten gibt es ein überdurchschnittliches "Bio"-Bewusstsein. Mit etwas Engagement könnte man das Land in eine glyphosatfreie Zone verwandeln.




Schlagwörter

Leitartikel, Glyphosat, EU, Österreich

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-27 17:44:04
Letzte nderung am 2017-11-27 18:03:52



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