• vom 08.01.2018, 17:23 Uhr

Leitartikel

Update: 08.01.2018, 17:41 Uhr

Leitartikel

Ein Konflikt mit Folgen




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (40)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Walter Hämmerle

  • Leitartikel

Walter Hämmerle

Walter Hämmerle Walter Hämmerle

In Deutschland findet, ohne dass Österreichs Öffentlichkeit groß davon Notiz nehmen würde, eine Auseinandersetzung statt, deren Ausgang die Arbeitswelt stärker beeinflussen wird als alles, was die heimische Regierung in ihrem Programm stehen hat.

Worum geht es: Am Montag startete die Industriegewerkschaft IG Metall eine erste große Welle von Warnstreiks. Damit will sie zwei Forderungen durchsetzen: eine Lohnerhöhung von sechs Prozent und das individuelle Recht auf eine befristete Arbeitszeitverkürzung für jeden Arbeitnehmer sowie Zuschüsse für jene, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen.


Nicht, dass die Arbeitgeber mit der happigen Forderung von sechs Prozent mehr Lohn glücklich wären, sie selbst bieten vorerst zwei Prozent, aber sie können damit umgehen, weil sie sich im Rahmen des bestehenden Verhandlungssystems bewegt. Gestritten wird hier nur über die Höhe, und im schlimmsten Fall lässt sich ein schlechtes Ergebnis wieder korrigieren, wenn die nächste Lohnrunde ansteht. Das gilt für beide Seiten.

Mit der Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich brechen dagegen die Gewerkschaften aus dem System aus. Und deshalb fällt der Widerstand der Arbeitgeber so vehement aus.

Der Konflikt ist hier ein grundsätzlicher, und das macht einen Kompromiss so schwierig, ja vielleicht sogar unmöglich. Aus Sicht der Arbeitgeber kann es nicht sein, dass die Arbeitnehmer allein über ihre Arbeitszeit entscheiden - und das auch noch ohne Lohneinbußen. Zumal völlig offen ist, was mit all jenen Beschäftigten geschehen soll, die bereits jetzt Teilzeit arbeiten und dafür weniger Lohn erhalten.

Auf der anderen Seite erleben wir gerade, wie jüngere Generationen nach einer neuen Balance zwischen ihrem Arbeits- und Privatleben suchen, bei der nicht mehr nur die Karriere im Vordergrund steht. Noch ist das vor allem ein Privileg der Bessergebildeten und Flexiblen, aber die Sehnsucht danach ist bedeutend größer. Die Gewerkschaft macht diese gesellschaftspolitische Frage nun zum Gegenstand eines Tarifkonflikts mit der Wirtschaft. Man kann durchaus der Meinung sein, dass dies eine Sache ist, mit der sich die Politik beschäftigen sollte.

So oder so: Der Ausgang dieses Streits wird weitreichende Folgen haben, die weit über Deutschland hinausreichen.




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-08 17:29:05
Letzte ─nderung am 2018-01-08 17:41:32



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Pop! Die Bitcoin-Blase platzt
  2. Achtung, Demokratie!
  3. Wirtschaft und Soziales im Widerstreit
  4. Berlin schlägt Visegrád
  5. Zukunftsroman
Meistkommentiert
  1. Warum eigentlich Integration?
  2. Die sprachlichen Probleme mit dem dritten Geschlecht
  3. Berlin schlägt Visegrád
  4. Opportunismus rules
  5. Rechnung für Milchmädchen

Werbung




Werbung


Werbung