
Düstere Blicke in die Pensionszukunft
Unter dem Titel "Leben die Alten auf Kosten der Jungen?" sendete das deutsche staatliche Fernsehen jüngst eine aufgeregte Diskussion, in der es wie in anderen Medien um "Altersarmut" und "Rente" ging. Mit "Altersarmut" war nicht die bestehende gemeint, sondern die der heute mittleren Generation.
Illustriert wurde die Thematik mit der eingeblendeten "Renteninformation" der deutschen Rentenversicherung an eine ausgebildete Krankenschwester: 39 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder. In etwa 30 (!) Jahren könne sie nach fast 50 Jahren Arbeitsleben inklusive Kindererziehungszeiten eine monatliche Rente von 738,72 Euro erwarten.
Wie lässt sich eine solche Absurdität erklären? Am klarsten mit dem auf Geld fixierten Denken, das - wie andere radikale Überzeugungen - von einem fundamentalistischen Glauben geleitet wird. Weil wir in einer Geldgesellschaft leben, in der aufgrund der weit entwickelten Arbeitsteilung mehr oder weniger alles Lebensnotwendige gekauft werden muss, wird Geld für bedeutsamer gehalten als das, was gekauft werden soll. Waren sind aber erst nach Arbeit und Produktion verfügbar. Folglich wären - nein: sind! - Arbeit und Produktion ausschlaggebend, denn wenn für Geld nichts gekauft werden kann, ist es nichts wert.
In den 27 EU-Ländern waren im Juli 2012 im Schnitt 22,5 Prozent der Jugendlichen arbeitslos. Das ist kaum deren Schuld, sondern vielmehr die der geldfixierten politischen Unfähigkeit der Regierungen, das verfügbare, häufig hoch gebildete Arbeitsvermögen sinnvoll zu organisieren; dafür sei kein Geld vorhanden. Wegen des beschränkten Gelddenkens wird nicht verstanden, dass Geld vor allem ein Mittel ist, um gesellschaftlich erforderliche Arbeit zu steuern. Denn einem Katalysator in der Chemie vergleichbar kann mit Geld ein Prozess in Gang gesetzt werden: Arbeitskraft gegen Geld, Geld gegen Arbeitsprodukte/Waren, ohne dass das Mittel verbraucht wird. Geldausgabe der einen ist Geldeinnahme für andere.
Wirtschaftspolitisch kommt es darauf an, den Bedarf und das Schaffensvermögen zu vermitteln, wozu in der extrem arbeitsteiligen Gesellschaft umlaufendes Geld ein sehr geeignetes Instrument ist. Dabei ist die stark gewachsene Produktivität des Arbeitsvermögens durch Maschinen und genutzte Wissensfortschritte zu berücksichtigen. Diese gestiegene Produktivität müsste doch eigentlich selbst beschränkt denkenden Menschen aufgefallen sein, weil früher in Landwirtschaft und Industrie bei geringerer Produktion weit mehr Menschen beschäftigt waren als heute.
Und die Produktivität wird auch in den kommenden 30 Jahren unter der Bedingung zunehmen, dass der fundamentalistische Geldglauben, der "Moneyismus", überwunden wird. Niemand weiß heute, was in 30 Jahren für viel oder wenig Geld zu kaufen ist, wie sich die gesamtgesellschaftliche Situation auf dem Globus entwickeln wird. Es ist absurd, Menschen mit "Renteninformationen" Jahrzehnte vor dem Rentenbezug zu verängstigen und die "Jungen" gegen die "Alten" aufzubringen.
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