• vom 03.10.2012, 10:36 Uhr

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Update: 03.10.2012, 13:11 Uhr
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Leserbriefe vom 4.10.

Leserforum: Bankenregulierung, Hauptbahnhof, Digitale Bücher



Die Politik verkauft die Bürger an die Banken
Dankbarkeit ist keine Kategorie eines moralischen Kodex

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Die Banken, deren Schicksal und Rettung vom Staat werden von den Bürgern mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Besonders bewegt es die Bürger, dass gerade jene Banken, die die Bürger über ihre Steuergelder saniert haben und weiter sanieren, am Bankschalter leider nicht dasselbe Entgegenkommen erleben. Im Gegenteil, den Privatkunden und Bankpartnern aus der Wirtschaft wird weder die Offenheit für notwendige Kredite, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, noch der nötige taktvolle Kommunikationsstil, der für Kooperationspartner auf Augenhöhe passend ist, entgegengebracht.

Die Konsequenz aus der fehlenden Möglichkeit einer Insolvenz für Banken, wohl aber für in Bedrängnis geratene Betriebe bringt ein Bild der Zweiklassengesellschaft in Sachen Finanzen. Neben der Existenzangst und der zunehmenden Wut über Ungerechtigkeit wird die für den Wirtschaftsaufschwung und den damit verbundenen Erhalt und Schaffung von Jobs nötige Motivation in den Keller geschickt. Der Kreislauf der Kommunikation um die Standortqualität hat sich damit geschlossen.
Wie konnte dies alles geschehen? Und warum spielt die Politik kritiklos mit, indem sie devot jedem Hilferuf, der oft nicht einmal ausgestoßen werden muss, folgt? Das Füllhorn von Steuergeldern wird von heute auf morgen ausgeschüttet, um - wie man sagt - die Banken für uns zu retten. Ein nicht mehr so leiser Verdacht kommt auf, dass die Vernetzung zwischen den Banken und der Politik einen Grad erreicht hat, den man als dubiose Verfilzung bezeichnen kann. Die existenzielle Angst der Menschen in Zeiten der Krise wird schamlos ausgenützt, um knallhart die Interessen der Banken still und leise durchzusetzen, dabei sind sich die Regierungsparteien nahezu unheimlich einig.
Das Opponieren der Oppositionsparteien wird durch perfide Polemik abgetan oder belächelt. Was ist da los im Staate Österreich? Es geht schlicht und einfach um eine Abhängigkeit der zu Lobbyisten mutierten Volksvertreter, die ihre Gesinnung und das Gewissen schon lange an der Garderobe abgegeben haben. Ein besonderer gesellschaftspolitischer Dopplereffekt kommt im Verwirrspiel um die Rolle der Banken noch hinzu. Kommunikation und Korruption als Leitdimensionen einer politischen Paradoxie entstehen auch durch die Hilflosigkeit der Medien, die sich selbst zum Spielball schwindelerregenden Auf- und Zudeckens eines multimedialen Feuerwerks machen, mit dem ungewollten Ziel und Zweck, dass letztlich niemand mehr einen Durchblick hat - auch die Beteiligten nicht.
Aber Achtung, die neue Armut, die sowohl Pensionisten und Studierende als auch den Mittelstand erfasst, bekommt eine gesellschaftspolitisch weit unterschätzte Dimension, die einiges an Sprengkraft in sich birgt, die das selbstherrliche und selbstzufriedene Establishment einer Allianz von Banken und Politik mit demokratischen Mitteln hinwegfegen wird.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-03 10:41:06
Letzte Änderung am 2012-10-03 13:11:58


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