• vom 09.10.2012, 00:00 Uhr

Leserforum

Update: 09.10.2012, 14:10 Uhr
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Leserbriefe vom 10.10.

Leserforum: US-Wahl, Verkehr in Wien, Sicherheitspolitik



Politics, made in USA
Warum die Wahlkampfrhetorik jenseits des großen Teichs oft so wunderlich ist

Wendet man den Blick über den großen Teich und lässt dabei einiges aus dem Blickfeld, was auf allzu bekannte Untiefen innerhalb der eigenen Gesellschaft hinweist, spottet man gerne darüber, wie "primitiv die Amerikaner" doch nicht seien. Vor allem in Wahlkampfzeiten.
Schrille Töne lässt der aktuelle Präsidentschaftswahlkampf zwar eher vermissen. "Ausrutscher" wie etwa der Vergewaltigungssager Todd Akins finden sich zwar (insofern sie als solche auch kalkuliert sein mögen), insgesamt scheint es aber auf der Wortebene relativ ruhig. Wenngleich das natürlich seinen Grund vorrangig darin hat, dass gegen die gesetzte Persönlichkeit Barack Obamas schrille Wortsalven klarerweise insgesamt nach hinten losgehen.
Trotzdem erstaunt es gemeinhin, wie sehr die politische Rhetorik in den USA von recht einfachen Formeln beherrscht wird, die eher an das Gefühl und an Sentiments appellieren als an die Ratio. Das hat aber seinen Grund weniger in einer kulturellen und intellektuellen Unterlegenheit als in der kulturellen und mentalitätsmäßigen Heterogenität des Landes, in dem sich auf diesem Terrain bekanntermaßen die krassesten Gegensätze tummeln, die von der Politik berücksichtigt werden müssen. US-Diplomat George Kennan (1904 bis 2005) warf einmal in einem Interview Licht auf die Sache: "Ich beneide Norwegens Regierung darum, dass die Bevölkerung nur vier Millionen beträgt und sich das politische Leben praktisch ausschließlich in der Hauptstadt abspielt. Will man ein Gebiet von der Größe und Mannigfaltigkeit der USA von einer einzigen Hauptstadt aus regieren, geht das, sofern man auf Zwang und Gewalt verzichtet, nur mit einer ununterbrochenen, wohl kalkulierten Serie von Kompromissen."
Ein Dilemma also, vor dem insgesamt die Politik heute angesichts ausdifferenzierter und individualisierter Gesellschaften steht. Denen eine Sogkraft, die das Niveau allenthalben nach unten zieht, scheinbar nur schwer abgesprochen werden kann. Darin könnte man eine praktische Dialektik der Aufklärung ausmachen. Oder aber melancholisch werden. Kennan: "Ein Gutteil der Dekadenz und Demoralisierung der US-Zivilisation schreibe ich dem Umstand zu, dass der gesamte Prozess der Kommunikation von der Werbeindustrie beherrscht wird. Sie verschmutzt sämtliche Informationsinhalte, die im Land ausgetauscht werden. Die Werbung korrumpiert und vergewaltigt die Intelligenz des Zuhörers und schläfert die Wachsamkeit des Menschen gegenüber der Lüge ein. Sie ist in jeder Hinsicht verderblich."
Das Interview fand 1982 statt.



Philip Hautmann ist Sozial- und Politikwissenschafter und Autor
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Registrierungspflicht für
Radfahrer als Schutz

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Dürfen sich Radfahrer wirklich alles erlauben? Ein Radfahrer fährt ungebremst in eine Touristengruppe. Ungebremst deshalb, weil sein Rad über keine Bremsen verfügt hat. Folgen: verletzte Touristen und Fahrer.
Was aber, wenn sich einer der Fußgänger eine wirklich ernsthafte Verletzung zugezogen hätte?
Der Radfahrer hat sein Rad wahrscheinlich nicht versichert, da es ja keine Registrierpflicht gibt. Wie reagiert Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou auf solche hoffentlich selten vorkommenden Unfälle?
Erschreckend ist, dass dieser Radfahrer so unverantwortlich gehandelt hat und mit einem sogenannten "Bahnrennrad" unterwegs war, welches über keine Bremsen verfügt. Anscheinend verfügte das Rad auch über keine Klingel, da die Fußgänger den ankommenden Radfahrer nicht gehört haben.
Radfahrer haben keine Narrenfreiheit, sie haben sich exakt an die Straßenverkehrsordnung zu halten und sollten generell versichert und registriert sein.

Peter E. Drechsler,
6900 Bregenz

Filmförderung in Österreich ist Alibibeitrag

Man sollte doch meinen, dass sich ein Land, das touristisch so sehr auf sein künstlerisches Erbe pocht wie Österreich, gierig auf alles stürzt, was dieses Image unterstreicht. Jetzt ist Österreich zwar keine Film-Weltmacht, aber, angesichts der seit den späten 1980ern anhaltenden Auszeichnungswelle bei namhaften Festivals, doch wesentlich mehr als ein Geheimtipp unter Cineasten.
Die "Alles-ist-gut-wenn-wir-nur-singen"-Heimatfilme sind überwunden, die filmische Aufarbeitung der historisch, politisch und sozial dunklen Flecken hat längst begonnen. Lustig ist das meistens nicht, aber das ist Mimís Tod in "La Boheme" auch nicht.
Sehr lustig hingegen ist der Glaube der Politiker, ein Alibibeitrag zur Finanzierung dieser Filme würde sie zum medialen Klopfer auf des frisch ausgezeichneten Künstlers Schultern berechtigen.
Da wird gerne einmal ein Film als "Made in Austria" geehrt, der in Wahrheit von deutschen oder französischen Geldern lebt. Kurios wird dies dann beim medialen Gerangel, wem der Oscar, die Goldende Palme oder andere Preise denn nun wirklich gehören.
Zusagen, die Förderung zu erhöhen, gab es häufiger, meist vor laufenden Kameras. Bewegt hat sich in dieser Sache kaum etwas.
Es gilt hier offenbar, dass eine Hand, die gerade andere Hände schüttelt, nicht gleichzeitig ins Geldbörserl greifen kann. Vielleicht sollte man den zuständigen Politikern einmal erklären, dass Kunst nicht nur von Können, sondern auch von Kohle kommt. Wenn’s mit Nix auch gehen würde, hieße es ja Nunst.
Und vielleicht könnte man ja ebenfalls einmal erfragen, warum die angeblich so stark mitfinanzierten Filme großteils zu einer Zeit gesendet werden, die sogar der Schneeräumdienst als unchristlich empfindet. Filme gehören gesehen, und zwar nicht nur auf ORF III oder Arte. Daher: keine Angst vor Drama, österreichischer Fußball wird schließlich auch angesehen.

Mag. Jasmin Klepeisz,
2372 Gießhübl

Chaotische Zustände außerhalb der Pickerlzone

Das überaus undurchdachte Konzept der Parkraumbewirtschaftung zeigt bereits seit dem ersten Tag des Inkrafttretens, welch ein Stuss da fabriziert wurde. In den parkpickerlfreien Zonen des 14. und 16. Bezirkes, in denen viele Menschen mit Autos wohnen, ist eine Parkraumnot in Kraft getreten, welche man nur als katastrophal bezeichnen kann.
Anrainer, die bisher einen Parkplatz fanden, stehen nunmehr vor zugeparkten Straßenzügen, in welche all jene abgewandert sind, die kein Recht auf ein Parkpickerl in den neuen Zonen der "Parkraumbewirtschaftung" haben oder sich einfach die Kosten für ein solches sparen wollen.
Vornehmlich jedoch haben Autofahrer mit ausländischen und aus den Bundesländern stammenden Kennzeichen die kostenlosen Parkplätze für sich entdeckt, die sie nun in Anspruch nehmen.
Jene, die aufgrund ihres Hauptwohnsitzes und der Zulassung ihres Kraftfahrzeuges ein Anrecht auf ein Parkpickerl im Bezirk hätten, aber nicht brauchen, da sie in einer pickerlfreien Zone wohnen, können nicht mehr in den nicht bewirtschaftenden Zonen parken, da diese Zonen von Ortsfremden "übernommen" wurden.
Wohin also mit den Autos der Anrainer? Die Freude der Autobesitzer über die unselige Entwicklung in den pickerlfreien Zonen im 14. und 16. Bezirk, deren Parkmöglichkeit nunmehr von Ortsfremden genutzt wird, hält sich naturgemäß in Grenzen.
Und zu guter Letzt, auch Zahler eines Parkpickerls für den 14. und 16. Bezirk können sich dasselbe an den Hut stecken, wenn sie anhand der Aussparung bestimmter Gebiete, im eigenen Bezirk keinen Parkplatz finden. Das soll ein Verkehrskonzept sein?
Na, danke, sogar einem nicht besonders Klugen ist klar, dass so ein Murks nicht funktionieren kann.

Annemarie Häusler,
per E-Mail

*

Seit einer Woche gibt es keine Parkplätze mehr, da Parkpickerlflüchtlinge in die pickerlfreie Zone fahren, um dort zu parken, das jedoch auf Kosten der Anrainer. Durch die gute Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind unsere kleinen Straßen auch ein Parkparadies für Pendler.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-09 12:17:02
Letzte Änderung am 2012-10-09 14:10:20


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