• vom 13.04.2007, 17:36 Uhr

Porträts

Update: 13.04.2007, 17:37 Uhr

Die unbekannte Mutter der Luftburg: Elisabeth Kolarik




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Von Mathias Ziegler

  • Die "Wienerin der Woche" erfand 1977 die Hüpfburg.
  • Prater-Gastronomin mit Leib und Seele.
  • Wien. Hüpfen macht glücklich. Was schon kleine Kinder wissen und am liebsten stundenlang in der Luftburg ausleben, ist auch wissenschaftlich erwiesen: Durch die Bewegung werden Glückshormone ausgeschüttet, nebenbei trainiert das Springen auf dem weichen Untergrund auch Motorik und Beweglichkeit. "Und der Spaß beim Hüpfen kennt keine Altersgrenze", meint Elisabeth Kolarik.

Die 53-Jährige muss es wissen. Schließlich ist die Wiener Gastronomin, deren Familie mittlerweile fünf Prater-Lokale betreibt, die Mutter der Hüpfburg. Was nicht einmal das schlaue Internet-Lexikon Wikipedia weiß: Vor genau 30 Jahren hatte die jüngste Erbin des Schweizerhaus-Gründers Karl Kolarik eine bahnbrechende Idee. Da sie selbst schon als Kind oft im elterlichen Ehebett "wie eine Wilde herumgehüpft" war, wollte sie 1977 ihrer ältesten Tochter Marianne (31) eine Spielwiese schaffen.

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Hilfe bekam Elisabeth Kolarik von einem englischen Heißluftballon-Hersteller, bei dem sie nach eigenen Plänen eine entsprechende Luftburg in Auftrag gab. Was eigentlich fürs Kinderzimmer gedacht war, wurde allerdings durch eine Verwechslung zu einer öffentlichen Attraktion: Statt in Zentimetern maß der Hersteller den Stoff in Inch (2,54 cm) ab - und so stand eines Tages unverhofft eine riesige Luftburg im Prater.

Wiens einzige berittene Polizistin - für einen Tag
Seither hat Elisabeth Kolarik dutzende Modelle entworfen: von der Giraffenburg bis zur Luftrutsche. Die bisher größte Hüpfburg war übrigens zwölf Meter hoch und wurde - so wie fast jedes Modell - aus Qualitätsgründen zum größten Teil in Handarbeit gefertigt.

Leider hatte die Erfinderin nicht genug Geld, um sich ihre Idee patentieren zu lassen. Lediglich die Bezeichnung "Luftburg" ist für das Unternehmen Kolarik geschützt. Im Nachhinein ist die fünffache Mutter aber nicht böse: Schließlich laufen die Geschäfte in den Prater-Lokalen "Himmelreich", "Luftburg", "Praterfee", "Kinderwelt" und "Schweizerhaus" (letzteres führen die Geschwister Karl und Lydia Kolarik) nach wie vor gut. "Vor allem unsere Kinderfreundlichkeit macht sich bezahlt."

Der Erfolg hat sicher auch damit zu tun, dass Elisabeth Kolarik gleichzeitig Mutter und Unternehmerin mit Leib und Seele ist. Nicht umsonst lautet ihr Lebensmotto: "Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch."

Und das hat die begeisterte Dressurreiterin - "Ich will es dort noch bis in die höchste Klasse schaffen" - auch in den späten achtziger Jahren bewiesen. Damals sollte einst am 1. Mai im Prater eine berittene Polizei eingeführt werden. Im letzten Moment wurde die lange und mühsam vorbereitete Aktion dann aber von oberster Stelle abgeblasen. Was tat Kolarik?

Sie borgte sich aus Prinzip im Kostümverleih eine Uniform aus und ritt damit durch den Prater. Für einen Tag war die quirlige Gastronomin damit Wiens einzige berittene Polizistin.

Der 30. Geburtstag der Luftburg wird diesen Sonntag (ab 11 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit) mit einem großen Familienfest in den Kolarik-Betrieben im Wiener Prater gefeiert. Info: www.kolarik.at



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2007-04-13 17:36:04
Letzte Änderung am 2007-04-13 17:37:00


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