(art) Es ist schon eine erstaunliche Geschichte, die Ecclestonesche Version des US-Klassikers "Vom Tellerwäscher zum Millionär". In diesem Fall heißt sie: vom Gebrauchtwagenhändler zum Milliardär und Macher einer der lukrativsten Sportserien der Welt.
Ecclestone wurde als Kind einer Arbeiterfamilie - der Vater war Fischer - im Jahr 1930 in Ipswich geboren und wuchs in einem Londoner Vorort auf. Das Milieu war rau, die Arbeit hart, das Geld knapp. Also machte sich Ecclestone schon in jungen Jahren die Fähigkeit zu eigen, alles zu Geld zu machen - sei es das Gebäck, das er in der Pause auf dem Schulhof teurer verkaufte, als er es in der Früh beim Bäcker erstanden hatte, oder später der Gebrauchtwagenhandel. Es gibt unzählige Anekdoten aus dieser Zeit, doch erst mit dem Formel-1-Einstieg begann auch der Aufstieg. Da sein fahrerisches Talent nicht ausreichte, um als Pilot in der Rennserie mitzumischen - zweimal scheiterte an der Qualifikation für einen geplanten Grand Prix -, ging er zunächst unter die Manager. In dieser Funktion machte er sich unter anderem als Betreuer von Jochen Rindt einen Namen. Die Faszination Formel 1 ließ den Briten, der dann auch zum Teambesitzer avancierte, nicht los - vor allem aber erkannte er als Erster das Potenzial, das da bezüglich der Vermarktung brachlag. Ab den Siebzigerjahren war er die treibende Kraft hinter der Professionalisierung, er kümmerte sich um die Sponsoren, um die Zentralisierung der Organisation und um die TV-Rechte, bei deren Verkauf er Pionierarbeit leistete. Die Behauptung, dass er die Formel 1 zu dem gemacht hat, was sie heute ist - ein Unternehmen, das jährlich Milliarden einbringt und weltweit verfolgt wird -, ist wohl keine Übertreibung. Freilich auch umgekehrt: Ohne Formel 1 wäre Ecclestone wohl keine drei Milliarden Euro an geschätztem Vermögen reich.
Vielleicht war es diese Entwicklung, die in Ecclestone ein übersteigertes und bisweilen von der Realität abweichendes Selbstverständnis gedeihen ließ. Jedenfalls ist der 81-Jährige über die Jahre zunehmend wunderlich geworden. Einmal drohte er mit einem Ausfall des Grand Prixs von Valencia, wenn nicht die Partido Popular die Regionalwahlen gewinnen würde, einmal bezeichnete er Frauen als "Haushaltsgeräte", dann wieder sorgte er mit seinem Sager, dass Adolf Hitler jemand gewesen sei, "der wusste, wie man Dinge geregelt bekommt", für weltweite Empörung. Zwar relativierte er die Aussage später, daran, dass er Demokratie ganz prinzipiell für überbewertet hält ("Sie hat für viele Länder nichts Gutes gebracht"), lässt er aber keinen Zweifel.
Diese Kontroversen und die Machtgier haben schon zu etlichen Versuchen geführt, Ecclestones Einfluss in der Formel 1 zu reduzieren. Der Erfolg war bisher endenwollend. Zwar hält der Brite nur symbolische Anteile an der Rennserie, aber er ist nach wie vor ihr Geschäftsführer. Möglich, dass sich das bald ändert.
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