• vom 08.01.2013, 18:23 Uhr

Porträts

Update: 08.01.2013, 21:22 Uhr

Tschechien

Vladimir Franz: Künstler, Jurist, ganzkörpertätowiert




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    Ein unkonventioneller Bewerber um das höchste Amt im Staat: Musikprofessor Vladimir Franz. - © reu

    Ein unkonventioneller Bewerber um das höchste Amt im Staat: Musikprofessor Vladimir Franz. © reu

    (am) Als Vladimir Franz ankündigte, für das Amt des tschechischen Präsidenten zu kandidieren, dachte ganz Tschechien an einen Witz. Nicht, dass der Musikprofessor, der nebenbei auch noch promovierter Jurist ist, eine Witzfigur wäre. Auch wäre er nicht das erste Staatsoberhaupt in seiner Familie: Sein Urgroßvater war ein Cousin des zweiten tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Benes. Franz selbst ist aber durch und durch ein Mann der schönen Künste. Mit seinem ganztätowierten Körper könnte man ihn sogar als Gesamtkunstwerk bezeichnen.

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    In der hohen Politik ist er hingegen ein blutiger Anfänger. Seine Kandidatur erwuchs aus einer Facebook-Kampagne, die momentan mehr als 50.000 Fans zählt. Zur politischen Elite des Landes pflegt er Distanz. Was ihn aber sonst noch für das höchste Amt im tschechischen Staat qualifizieren sollte, darüber rätseln Kommentatoren.

    Unter Studenten populär
    Franz gilt Ausnahmetalent der szenischen Musik - er hat bisher etwa 150 Theaterstücke musikalisch inszeniert - und als prominenter Vertreter der modernen Klassik. Diese Woche feiert seine Oper "Krieg mit den Molchen", die auf dem bekannten Buch des Schriftstellers Karel Capek basiert, in Prag Premiere.

    Seit Anfang der 1990er lehrt er an der Akademie der musischen Künste und der renommierten Prager Filmhochschule Famu. Unter Studenten und Schülern hat der unkonventionelle Kandidat die meisten Fans. Würden sie die Wahlen entscheiden, die heuer erstmals direkt vom Volk ausgehen, könnte es Franz lässig auf die Prager Burg schaffen.

    Umfragen zufolge liegt der Künstler bei 11,4 Prozent Stimmenanteil, was einen beachtlichen dritten Platz bedeutet. Den Achtungserfolg wird dem "Avatar", wie Franz wegen seiner blauen Tätowierungen genannt wird, keiner mehr nehmen. Kritiker bezeichnen ihn als einen etwas hölzernen Phrasendrescher, der mit einer gehörigen Portion Arroganz gesegnet sei. Wenig bekannt ist hingegen von seinen politischen Überzeugungen.

    Rede bei Skinhead-Konzert
    Seine Glaubwürdigkeit erhielt aber einen herben Dämpfer, als bekannt wurde, dass Franz in den Jahren nach der "Samtenen Revolution" mit der Skinhead-Szene kokettiert hatte. Eine Rede auf einem Skinhead-Konzert ist dokumentiert. Er habe keinerlei Sympathien für neonazistisches Gedankengut, entgegnete Franz Anschuldigungen, er hege Sympathien für die extreme Rechte. Im Gegenteil, er habe Anfang der 1990er gehofft, Skinheads zurück auf den richtigen Weg zu bringen, erklärte Franz.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
    Dokument erstellt am 2013-01-08 18:26:06
    Letzte Änderung am 2013-01-08 21:22:57


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