• vom 13.05.2014, 18:27 Uhr

Porträts

Update: 13.05.2014, 18:50 Uhr

EU-Wahlen 2014

Heimspiel für Europa




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Von WZ-Korrespondentin Martyna Czarnowska

  • Der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz will an die Spitze der EU-Kommission.

Martin Schulz sitzt bereits seit 1994 im Europaparlament.

Martin Schulz sitzt bereits seit 1994 im Europaparlament.© reu/Lenoir Martin Schulz sitzt bereits seit 1994 im Europaparlament.© reu/Lenoir

Brüssel. Auch Kritik kann manchmal nicht ungelegen kommen. Martin Schulz ist PR-Profi genug, um zu wissen, dass Angriffe auf seine Person diese bekannter machen. So war es schon vor mehr als zehn Jahren. Im EU-Parlament erwiderte der damalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf die Vorwürfe des deutschen SPD-Abgeordneten mit dem Angebot, die Rolle eines Kapos in einem KZ-Film zu übernehmen, der gerade in Italien gedreht werde. Der Parlamentarier erhielt daraufhin mehr mediale Aufmerksamkeit als zuvor.

Und auch jetzt kann seine Partei hoffen, dass die aktuelle Auseinandersetzung das Augenmerk verstärkt auf Schulz und den kommenden Urnengang lenkt - zumindest in Deutschland. Der Streit zwischen Christ- und Sozialdemokraten könnte dort nämlich dem bisher lauen EU-Wahlkampf ein wenig Schärfe verleihen. Noch dazu bietet die Empörung über Aussagen aus der CSU, Schulz sei zu wenig deutsch und zu immigrationsfreundlich, der SPD die Gelegenheit, sich etwas vom Koalitionspartner abzugrenzen. Die Kampagne vor dem Votum zum EU-Parlament ist auch in Deutschland nicht zuletzt eine innenpolitische. Schließlich lächelt von den Wahlplakaten der Union nicht der Spitzenkandidat der Konservativen, Jean-Claude Juncker, sondern Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich keineswegs um ein Mandat in Brüssel bewirbt.

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Das Bild von Martin Schulz aber ist präsent. Der 58-Jährige ist seit dem Eklat mit Berlusconi zum Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten und danach zum Präsidenten des EU-Parlaments aufgestiegen. Nun will er als Spitzenkandidat seiner Partei die Führung der EU-Kommission übernehmen. Erstmals haben die Fraktionen im europäischen Abgeordnetenhaus solche Kandidaten aufgestellt; der Wahlsieger soll sich auch um den Spitzenposten in der Brüsseler Behörde bewerben. So wünscht es sich zumindest die Volksvertretung. Er wolle der erste gewählte Kommissionspräsident werden, betont denn auch Schulz während seiner Auftritte immer wieder. Die Zeit der Abmachungen, die die Staats- und Regierungschefs hinter verschlossenen Türen getroffen haben, sei vorbei, sagt er. Dass sich die Spitzenpolitiker nach der Wahl am 25. Mai tatsächlich an dies halten, ist damit freilich nicht gesagt.

Mehr Gewicht fürs Parlament
Daran, dass das EU-Parlament bei der Gesetzgebung mehr Mitsprache hat, hat Schulz jedenfalls kontinuierlich mitgearbeitet. In der Bundespolitik war er nicht tätig; der Bürgermeister von Würselen sitzt bereits seit 1994 im europäischen Abgeordnetenhaus. Der aus dem deutschen Grenzland zu Belgien und den Niederlanden stammende Buchhändler und Vater zweier Kinder ist denn auch ein bekennender Europäer. Gegen die Nationaldünkel der einzelnen Mitgliedstaaten und den "mangelnden Mut", sich zur EU zu bekennen, kann er nicht nur in seiner Muttersprache, sondern auch in fließendem Französisch, Englisch und Italienisch wettern.

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Dokument erstellt am 2014-05-13 18:32:04
Letzte nderung am 2014-05-13 18:50:25



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