• vom 25.08.2015, 17:44 Uhr

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Flüchtlingskoordinator

Christian Konrad - ein etwas anderer Sozialarbeiter




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Christian Konrad soll es nun bei den Flüchtlingen richten.

Christian Konrad soll es nun bei den Flüchtlingen richten.© apa Christian Konrad soll es nun bei den Flüchtlingen richten.© apa

(gö) Der mittlerweile 72-jährige Christian Konrad wird manchmal immer noch als "mächtigster Mann Österreichs" bezeichnet, obwohl er seine Spitzenfunktionen bei Raiffeisen längst zurückgelegt hat. Doch er hat seit seinem Eintritt in die Raiffeisen Landesbank NÖ im Jahr 1969 aus den heimischen Agrargenossenschaften eine mitteleuropäische Wirtschaftsmacht geformt. Das wirkt nach. Sein größtes Asset: mutige und schnelle Entscheidungen. Und ein Gespür für einflussreiche Positionen. Konrad war Präsident der Boltzmann-Gesellschaften und mischte so in der Forschung mit. Er ist immer noch Kuratoriumsvorsitzender der Albertina und somit im Kulturbetrieb gegenwärtig. Und zu seiner Essenseinladung am Rande der Salzburger Festspiele pilgert nach wie vor Polit- und Wirtschaftsprominenz - der Name Christian Konrad schlägt seine Funktionen längst.

Daneben entwickelte sich der gläubige Katholik zu einer Art "Sozialarbeiter der Superlative". Er engagierte sich - auf Anregung von Pater Sporschill - für rumänische Straßenkinder. Daraus entstand die Concordia Privatstiftung, die heute Kindern und Jugendlichen auch in Moldawien Schutz, ein Zuhause und Ausbildung bietet. Diese Stiftung, die von seiner Tochter geleitet wird, spielt in diesen Ländern sozialpolitisch eine eminente Rolle.

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Er unterstützt auch das Obdachlosenasyl der Caritas, die "Gruft". Dort verteilt er manchmal selbst Essen, aber sein Benefit ist immer noch sein Netzwerk. Konrad versteht es, Charity-Veranstaltungen zu kreieren, die den Begünstigten richtig Geld bringen. Wer sagt nein, wenn Konrad um eine Spende bittet? Mit diesen Spenden und politischer Unterstützung hat er auch schon die Basilika in Mariazell erstrahlen lassen.

Dass ihm Johanna Mikl-Leitner öffentlich das Innenministerium zu Füßen legte, passt in dieses Bild. Der gebürtige Niederösterreicher und bekennende ÖVP-Unterstützer wird wohl ein Koordinator, dem Institutionen und Politik Hilfe anbieten, nicht umgekehrt.

Eine Leistung, die ihm so schnell keiner nachmachen kann. Und die er bei Raiffeisen gelernt hat. Die sehr föderal aufgestellte Gruppe besteht aus vielen eigenständigen Genossenschaften. Deren Generalanwalt ist zwar höchster Funktionär, aber satzungsmäßig ein König ohne Land. Konrad herrschte trotzdem über dieses Reich, das er in 22 Jahren formte.

Dass die SPÖ seiner Ernennung zum Flüchtlingskoordinator zustimmte, passt ins Bild. Er pflegt eine lange Freundschaft mit Wiens Bürgermeister Michael Häupl, zudem ist er überzeugter Großkoalitionär. Als Koordinator kann er das gut gebrauchen. Er vermag es auch einzusetzen.




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Dokument erstellt am 2015-08-25 17:47:04



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