• vom 11.04.2016, 18:03 Uhr

Porträts

Update: 11.04.2016, 18:47 Uhr

Wolgang Sobotka

Gärtner, Dirigent, Minister




  • Artikel
  • Lesenswert (16)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Porträt

Der als Hardliner bekannte Sobotka hat Musik studiert. - © apa/Schlager

Der als Hardliner bekannte Sobotka hat Musik studiert. © apa/Schlager

(temp) Er gartle gerne, hat Wolfgang Sobotka (ÖVP) vor Jahren einmal gesagt. Genau genommen war es bei der Eröffnung der niederösterreichischen Landesgartenschau "Die Garten Tulln" vor acht Jahren, deren Schirmherr Sobotka ist. Seit mehr als drei Jahrzehnten war der 60-Jährige auf kommunal- und landespolitischer Ebene tätig und auf Veranstaltungen wie dieser zu Gast. Nun soll er ins Innenministerium wechseln und Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ablösen, die nach Niederösterreich zu Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) zurückkehrt. Sobotka war hier seit 16. April 1998 Finanzlandesrat und seit 26. Februar 2009 auch Landeshauptmann-Stellvertreter. Die Spekulationen, die seither kursierten, dass Sobotka auf den von ihm begehrten Landeshauptmann-Sessel nachrücken werde, sind nun jedenfalls vom Tisch.

Der sechsfache, verheiratete Familienvater begann seine politische Tätigkeit 1982 als Gemeinderat in Waidhofen an der Ybbs. 1992 wurde er Stadtrat für Finanzen und Fraktionsobmann der ÖVP. Von Jänner 1996 bis April 1998 - als er Landesrat wurde - lenkte er als Bürgermeister die Geschicke seiner Heimatstadt.

Werbung

Der als Hardliner bekannte Sobotka, dem Wutausbrüche nachgesagt werden, hat aber auch eine ganz andere Seite. Er hat Geschichte (Uni Wien), Violoncello/Musikpädagogik und Musikerziehung (Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien) sowie Dirigieren (Brucknerkonservatorium Linz) studiert. 1976 wurde er AHS-Lehrer. Von 1980 bis 1987 war er Stadtarchivar, ab 1988 Musikschulleiter in Waidhofen an der Ybbs. 1987 erhielt er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. In Konzerte gehe er immer noch gerne, heißt es.

Als Finanzlandesrat gab es für Sobotka starken Gegenwind im Zusammenhang mit der Veranlagung der niederösterreichischen Wohnbaugelder. Wegen des spekulativen Charakters der Geschäfte sah er sich sogar mit Rücktrittsaufforderungen konfrontiert - etwa durch die SPÖ 2008, die auch strafrechtliche Untersuchungen einleiten ließ. In einem Sonderlandtag war das Thema ebenfalls diskutiert worden. Eine neue Debatte brach 2010 nach einem Rechnungshof-Rohbericht aus. Die ÖVP Niederösterreich blieb dabei, dass die Veranlagungen "ein wichtiges Finanzierungsmittel des Landes Niederösterreich geworden" seien. Sobotka selbst wies die Kritik als "reine politische Angriffe" zurück. Eine Forderung von SPÖ, FPÖ und Grünen nach einem U-Ausschuss 2010 wurde von der ÖVP abgelehnt. Die Wohnbaugelder sorgten auch im Wahlkampf 2013 für Streit. Die Grünen brachten damals eine Sachverhaltsdarstellung bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ein. Das Verfahren wurde eingestellt. 2013 verabschiedete der niederösterreichische Landtag die 15a-Vereinbarung zwischen Bund und dem Land zu einer risikoaversen Finanzgebarung.

Sobotka selbst hatte wiederum Bundesparteichef Reinhold Mitterlehner und Finanzminister Hans Jörg Schelling mit Unfreundlichkeiten bedacht. Ein Vorschlag des Vizekanzlers in Sachen Wohnbaupaket etwa war von Sobotka für "vertrottelt" erklärt worden, und Schelling drohte der Finanzlandesrat wegen eines Disputs in Sachen Heta: "Bei Philippi sehen wir uns wieder." Der Satz, der auf Shakespeare zurückgeht, bezeichnet die Gelegenheit, Rache zu nehmen.

Zumindest nach außen hin ist dies nun aber alles vergessen. Die ÖVP demonstriert Geschlossenheit hinter Sobotkas Wahl. Die Kritik kommt von anderen, etwa von den Grünen, dass jetzt ein Musiklehrer Minister werden soll. Fix ist: Für Sobotka ist es mit dem Verlassen der Landespolitik mit Veranstaltungen im Grünen vorerst vorbei.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-04-11 18:08:05
Letzte nderung am 2016-04-11 18:47:35



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Christian Konrad - ein etwas anderer Sozialarbeiter
  2. Karin Maria Pfeifer
  3. Der Reality-Star lacht zuletzt
  4. Arlene Foster - Theresa Mays Hilfe in der Not
  5. Michel Barnier - Brexit-Verhandler für die EU
Meistkommentiert
  1. Michel Barnier - Brexit-Verhandler für die EU
  2. Heimspiel für Europa
  3. Alexandre Lamfalussy, einer der Euro-"Väter", ist gestorben
  4. Christian Konrad - ein etwas anderer Sozialarbeiter
  5. Unambitioniert und bar jeder Kontur

Werbung




Werbung


Werbung