• vom 06.05.2016, 09:36 Uhr

Porträts

Update: 01.10.2016, 07:13 Uhr

Ausstellungskritik

Ein Vorkämpfer der Secession




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das Leopold Museum bringt eine große Retrospektive des Parade-Impressionisten Theodor von Hörmann.

Theodor von Hörmanns "Blumenmarkt an der Madeleine IV" aus 1889.

Theodor von Hörmanns "Blumenmarkt an der Madeleine IV" aus 1889.© Leopold Museum, Wien Theodor von Hörmanns "Blumenmarkt an der Madeleine IV" aus 1889.© Leopold Museum, Wien

Mit Rudolf von Alt und Karl von Wittgenstein ist der Name Theodor von Hörmann als einer der Väter der Secession über deren Supraporte eingeschrieben worden. Da war der Künstler bereits zwei Jahre tot, doch sein Kampf erfolgreich, nach Anregungen der Münchner Secession 1892 und durch seine Dachauer Malerfreunde um Adolf Hölzel, auch in Wien eine Avantgardegruppe zu begründen. Heute ist die Gegnerschaft, die das Wiener Künstlerhaus und auch die hiesige Presse um 1900 dem einzigen Impressionisten Österreichs mit direkten Anregungen aus Paris entgegenbrachte, nicht mehr verständlich. Es fällt schwer, aus seiner offenen Pinselschrift die Empörung über einen so "groben" Umgang mit der Farbe herauszulesen. Eher empfindet man ihn als lyrischen Meister, der vor der Natur Lichtstimmungen einfing, die besonders in seinen wenigen Nachtstücken oder Gärten im Nebel zum Tragen kommen.

Von der Armee zur Malerei

Information

Ausstellung
Theodor von Hörmann.
Von Paris zur Secession
Marianne Hussl-Hörmann (Kuratorin)
Leopold Museum
Bis 29. August

Für Theodor von Hörmann (1840 - 1895) war die künstlerische Laufbahn nicht vorgesehen; er diente in der Armee, zeichnete aber dort bereits und führte wohl mehr als zehn Jahre ein Doppelleben als Autodidakt, bevor er sich entschloss, die Offizierslaufbahn zugunsten der Malerei aufzugeben. Das Studium an der Akademie, unter anderem bei Anselm Feuerbach, war jedoch nicht seine Sache und so ging er, nach seiner Heirat mit der vermögenden Laura Bertuch und Beantragung seiner Pensionierung 1884, schon 1886 nach Paris, ins Mekka der modernen Malerei. Er blieb bis 1889/90, lernte in Barbizon bei Fountainebleau die im Freien malende impressionistische Avantgarde kennen und stellte mehrmals in Paris mit einheimischen Malern, so auch bei der Weltausstellung 1888, seine Werke aus. Besonders die ungewöhnlichen Stadtansichten bei Tag und bei Nacht bilden die Grundlage für seinen bekannten Stil.

Da er in Wien nur ein böses Echo für seine zu modern und zu französisch empfundene Malweise erntete, zog das Ehepaar Hörmann nach Znaim, doch versuchte sich der Künstler auch von dort an Wiener Ausstellungen zu beteiligen, was ihm die Künstlerhausmitglieder mehrmals versagten. So entwickelte sich Hörmann als Mitglied der jungen Künstlergruppe, und mit seinen guten Kontakten zur Münchner Secession ab 1892, zum radikalen Kämpfer für einen Wandel.

1891 und 92 hielt er sich in Dachau auf, wo Adolf Hölzel eine Malschule begründet hatte und sich auch die deutschen Impressionisten und Secessionsgründer Ludwig Dill und Fritz von Uhde einfanden. Ab 1893 als Wortführer der Partei der Jungen im Wiener Künstlerhaus führte er eine rege Kampfkorrespondenz mit den Vorständen, was eine Präsentation von immerhin 38 Bildern an diesem wichtigen Ort zur Folge hatte. Mit Josef Engelhart und Johann Victor Krämer, der ein typisches Porträt von Hörmann mit Brille, Schirmkappe und Bart hinterlassen hat, reiste er nach Sizilien, und wohnte seine letzten beiden Jahre, gegen ein Kehlkopfkarzinom kämpfend, in seinem Wiener Atelier am Neuen Markt. Die Gründung der Secession in Wien hat er nicht mehr erlebt, auch nicht die durchaus positive Kritik bei einer Gedächtnisschau im Künstlerhaus 1895.

Alle Werke wurden anlässlich der Versteigerungsschau seines Nachlasses in der Secession 1898 verkauft, auch das zeigt die posthum einsetzende Anerkennung. Trotzdem ist "Theodor Hörmann. Von Paris zur Secession" im Leopold Museum die erste große Personale 120 Jahre nach seinem Tod. Sie wurde erst nach der Publikation der umfassenden Monografie von Marianne Hussl-Hörmann 2013 möglich. Hussl-Hörmann als Kuratorin konnte die vielen privaten Leihgaben möglich machen, sie betreffen 50 Prozent der Schau, die Sammlung Leopold und das Belvedere besitzen Hauptwerke, die nun zudem mit seinen wenigen reizvollen Aquarellen und Ölskizzen, seiner Korrespondenz und einigen wenigen Porträts und Karikaturen von Kollegen in einem annähernd chronologischen Parcours präsentiert werden.

Brückenschlag zu Klimt

Chronologie ist bei den wenigen Jahren von Hörmanns Schaffen nicht ganz möglich und doch sind drei Phasen vom Beginn in Tirol und Ungarn, der wichtigen Pariser Zeit und seinen späten Jahren deutlich sichtbar gemacht. Mit Beispielen aus den wesentlichen letzten Jahren in Dachau gelingt ein Brückenschlag zum frühen Gustav Klimt mit seinen impressionistischen Landschaftsausschnitten. Vor allem die "Buchenwälder" der beiden Künstler und die schon bei Hörmann hoch angesetzten Horizonte in seinen Stadtlandschaften, zeigen die von Hölzel übernommene radikale Verflachung der Kompositionen. Der Weg in die "Formkunst" des Jugendstils wird hier sichtbar.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-04-28 16:41:07
Letzte nderung am 2016-10-01 07:13:06



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. FBI-Chef James Comey - der erste sichere Wahlverlierer
  2. Karin Maria Pfeifer
  3. Michel Barnier - Brexit-Verhandler für die EU
  4. Christian Konrad - ein etwas anderer Sozialarbeiter
  5. Unambitioniert und bar jeder Kontur
Meistkommentiert
  1. Michel Barnier - Brexit-Verhandler für die EU
  2. Heimspiel für Europa
  3. Alexandre Lamfalussy, einer der Euro-"Väter", ist gestorben
  4. Christian Konrad - ein etwas anderer Sozialarbeiter
  5. Unambitioniert und bar jeder Kontur

Werbung




Werbung


Werbung