• vom 09.11.2016, 17:39 Uhr

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Donald Trump

Der Reality-Star lacht zuletzt




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Von Konstanze Walther

  • Trump hat am Dienstag seinen größten Gegner, die Bedeutungslosigkeit, endlich besiegt.

Donald Trumps Blick hinüber zu Melania bei der Stimmabgabe sagt viel über das Verhältnis der beiden aus. - © Reuters/Carlo Allergi

Donald Trumps Blick hinüber zu Melania bei der Stimmabgabe sagt viel über das Verhältnis der beiden aus. © Reuters/Carlo Allergi

Washington. Wenn Donald Trump in der Vergangenheit einen Ratschlag brauchte, dann blickte er einfach von seinem Schreibtisch auf. Sein Gegenüber: ein riesiger Spiegel. "Ich sehe mich im Spiegel an", hatte Donald Trump einmal auf die Frage geantwortet, zu wem er aufschaue.

Eine Anekdote, die unterstreicht, dass Trump das oft zitierte "größte Ego" Amerikas hat. Vielleicht aber erinnert er sich bei seiner speziellen Art der Reflexion auch immer wieder an seinen eigenen Marschbefehl. Trumps größte Angst ist, da sind sich alle Beobachter und Biografen einig, die Bedeutungslosigkeit. Bis zum Tod seines Vaters, des Immobilien-Magnaten Fred Trump, buhlte er um dessen Aufmerksamkeit. Später rief Donald Trump Society-Magazine an, um ihnen von sich selbst in der dritten Person zu erzählen: Mit wem er aller geschlafen hätte, wo er überall gewesen sei.


In Trumps Militärinternat wurde Siegen als einzige Lebensform gepredigt, das Schikanieren des Schwächeren galt als normale Umgangsform. Auch, so heißt es in einem Artikel der "Zeit", sei in der Militärschule eine Abneigung gegen alles Intellektuelle genährt worden. Als Nebenprodukt dessen hat Trump nie zu den besseren Kreisen der New Yorker Gesellschaft gehört. "Dazu braucht es Kunst, Literatur, Fremdsprachen, Weltläufigkeit", erklärte Trumps Klassenkamerad Sandy McIntosh. Trump pfeift trotzig auf die feinen Kreise und überzog dafür sein Imperium mit Gold und druckte auf Mobiles wie Immobiles seinen Namen, vorzugsweise in Blockbuchstaben. Ein ständiger Platz in den Medien war ihm sicher. Donald Trump - der Popstar unter den Unternehmern.

1988 wurde er das erste Mal in einer Talk-Show von Oprah Winfrey gefragt, ob er sich vorstellen könnte, als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Er hat es damals nicht ausgeschlossen. Und wäre vielleicht früher angetreten. Aber da gab es den Bankrott Anfang der 1990er Jahre, bei dem Trumps Imperium überleben konnte, weil es "too big to fail" war, also zu viele Banken mit Darlehen involviert waren. Immerhin ermöglichten Trump die Verluste von damals, die folgenden 18 Jahre keine Steuern mehr zu zahlen. Außerdem entdeckte er etwas, mit dem er sein Aufmerksamkeitsbedürfnis befriedigen konnte: Reality TV. Als Host von "The Apprentice" konnte Trump im Scheinwerferlicht unter Beifall feuern und zur Schnecke machen, wen auch immer er wollte. Als Eigentümer des Schönheitswettbewerbs Miss Universe konnte er, wieder im Scheinwerferlicht und unter Beifall, spärlich bekleidete Frauenkörper beurteilen.

Bisher haben 12 Frauen, unter anderem eine Society-Reporterin, Trump öffentlich angeklagt, sie sexuell bedrängt und begrapscht zu haben, ein Nein nicht duldend. "Wenn man berühmt ist, kann man das einfach machen", erklärte Trump auf dem bekanntgewordenen Audio-Tape. Mit dem Radio-DJ Howard Stern redet Trump oft über seinen sexuellen Appetit und über die formschöne Makellosigkeit der Frauen in seinem Umfeld: Der von seiner dritten Ehefrau Melania, dem "Supermodel", der von seiner Tochter Ivanka, "mit dem besten Körper".

2015 ist Trump offiziell ins Rennen ums Weiße Haus eingestiegen. Ein lange geplanter Schritt: Denn Trump hatte nur wenige Tage nach der Wahl 2012, als der Republikaner Mitt Romney gegen Barack Obama verloren hatte, von der Welt ausnahmsweise unbeachtet, den Slogan "Make America Great Again" als Trademark ins Register eintragen und schützen lassen. Für alle Fälle. Es hat sich ausgezahlt.




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Dokument erstellt am 2016-11-09 17:44:05



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