• vom 04.04.2008, 18:15 Uhr

Porträts

Update: 07.04.2008, 12:13 Uhr

Rudolf Steiner




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Von Christa Karas

  • Die Anthroposophie war seine Rettung: Rudolf Steiner (1861 in Donji Kraljevec, Kroatien geboren, 1925 in Dornbach, Schweiz, gestorben), war nicht nur auf Grund seiner Armut, sondern auch wegen seiner aus heutiger Sicht schizoiden Persönlichkeitsstörung, die - trotz eines Stipendiums - keine Kontinuität eines Studiums zuließ, nachgerade gezwungen, seine eigene esoterische Mixtur aus Philosophie, Religion und Okkultismus zu entwickeln.
  • 'Einspruch' der Anthroposophen

Anthroposoph Rudolf Steiner. Foto: Wikipedia

Anthroposoph Rudolf Steiner. Foto: Wikipedia Anthroposoph Rudolf Steiner. Foto: Wikipedia

Auf dem Weg dahin musste er sich vielen anbiedern, mit denen er sich wegen seiner anmaßenden Art alsbald überwarf: Schon mit 16 habe er Kants "Kritik der reinen Vernunft" gelesen, aber verworfen, wie überhaupt so gut wie alle Philosophen außer Nietzsche und Stirner. Eine tatsächliche Auseinandersetzung mit deren Werken war ihm ebenso wenig möglich wie eine rationale Argumentation seiner eigenen verworrenen Thesen. Kritik begegnete er, so der Religionswissenschafter Hartmut Zinser, mit einer Immunisierungsstrategie, die auf "höheres Wissen" verwies.


Das Gros der Zeitgenossen reagierte hämisch auf seine Vorträge. Hermann Hesse nannte ihn einen "krampfhaften Magier und angestrengten Willensmenschen", Kurt Tucholsky befand: "Je größer der Begriff, desto kleiner bekanntlich sein Inhalt - und er hantierte mit Riesenbegriffen."

Einen späteren Adepten hatte Steiner indessen in Heinrich Himmler, dem nicht nur dessen "Rassentheorie" und das Okkulte gefielen: Steiner und die Anthroposophische Gesellschaft wurden von wohlhabenden, meist weiblichen Kreisen mit einem Hang zur Esoterik so großzügig unterstützt, dass sie auch Schriften finanzieren konnten, in denen Verschwörungstheoretiker den Juden und den Freimaurern die Schuld am Ersten Weltkrieg anlasteten - was dann von den Nazi rezipiert wurde. Die außergewöhnliche Karriere eines ewigen Autodidakten mit Folgen wie Waldorf-Pädagogik, biologisch-dynamischem Landbau und einer "Medizin" ohne Wissenschaft.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2008-04-04 18:15:45
Letzte Änderung am 2008-04-07 12:13:00


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