• vom 06.07.2007, 17:36 Uhr

Porträts


Kein Entspannen im eigenen Freibad: Marco Ebenbichler




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Von Daniela Wehlend

  • Der "Wiener der Woche" rettete das Schönbrunner Bad.
  • Der 15-fache Staatsmeister im Schwimmen hat Angst vor der Tiefe.
  • Wien. "Im Meer hab ich Angst vor dem verdammten weißen Hai. Da hab ich den Film zu früh gesehen. Und die Vorstellung, dass mich in der Alten Donau ein Drei-Meter-Wels in den Fuß beißt . . ." Marco Ebenbichler schüttelt sich. Kaum zu glauben, aber wahr: Der 15-fache österreichische Staatsmeister im Delphinschwimmen hat in natürlichen Gewässern Angst. Angst, vor dem, was da unter ihm sein könnte.

Viel wohler fühlt sich der 32-Jährige im Schwimmbecken. Vielleicht war das auch der Grund, warum sich der junge Athlet aus Hall in Tirol 2001 dazu entschloss, dass marode Schönbrunner Bad zu übernehmen. Keine leichte Aufgabe: Die ehemals noble Anlage war über die Jahre verkommen, die zuständige Schönbrunner Schloßgesellschaft verweigerte die Sanierung. Und Ebenbichler hatte neben dem Schwimmen und seinem zweiten Standbein, dem Wiener Fitnessclub Web 43, eigentlich keine Zeit.

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Jetzt hat er davon noch weniger, denn er hat mit Unterstützung seiner Eltern dann doch zugegriffen und sein Fitnessstudio kurzerhand ins Bad transferiert. "Ein Fitnessclub in Wien ist im Sommer tot, da geht keiner hin", meint Ebenbichler, "aber hier können die Leute mit derselben Mitgliedskarte auch noch den ganzen Tag baden. Zu dem stolzen Tageseintrittspreis von neun Euro, über den sich Studenten gerne mockieren, steht er voll und ganz: "Schließlich bieten wir auch was fürs Geld. Baden, Beachvolleyball, Restaurant und vor allem penible Sauberkeit und Hygiene". Schaut man sich im Schönbrunner Bad um, muss man Ebenbichler rechtgeben: Jedes (blitzblanke) Detail wirkt durchdacht, vom Boden über die Farbe der Liegestühle bis hin zum Design der Müllkübel. Für den trainierten Schwimmer kein Ding: "Mein Freibad richte ich ein wie meine Wohnung".

Zum Schwimmsport ist Marco Ebenbichler gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. "Eigentlich wollte ich Skifahrer werden, wurde aber im Skigymnasium knapp nicht genommen".



Bademeister und Chef
Sein Schwimmverein, wo Ebenbichler seit acht Monaten höchstens einmal pro Woche und mit mäßigem Ehrgeiz herumplanschte, hat ihn dann fürs Oberstufen-Sportgymnasium Innsbruck vorgeschlagen. Dort war er nach zwei Monaten Klassenschnellster, obwohl ihm seine Mitschüler beim Training teilweise um Jahre voraus waren. Nach der Schule folgten rein dem Schwimmen gewidmete Jahre, noch viele, viele Titel und leider auch viel Verbandshickhack. 1999 hängte er den Schwimmsport an den Nagel - um 2003 wieder Staatsmeister über 50 Meter Delphin zu werden. Kein Sport funktioniert bei Marco Ebenbichler eben nicht so gut. Deshalb leidet er auch darunter, dass er im eigenen Bad so wenig zum Schwimmen und Trainieren kommt. "Ich bin hier Putzpersonal, Bademeister, Trainer und Geschäftsführer, da gibts leider kein Entspannen" bedauert Ebenbichler. Deshalb trainert der Hobby-Windsurfer eben spätnachts. Und zum Baden geht er halt ins Jörgerbad.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2007-07-06 17:36:20
Letzte Änderung am 2007-07-06 17:36:00

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