
Columbia. "Destruktiv, boshaft, negativ": Newt Gingrich ließ am Donnerstag kein gutes Haar an den Medien. Hat er auch früher nicht. Sie sind meist schuld, wenn irgendetwas im Leben des republikanischen Politikers schlecht läuft: wenn er in den Umfragen schlecht abschneidet, wenn Vorwürfe ihm das Leben schwer machen, vielleicht auch, wenn sein Fahrrad gestohlen wird. So war es auch diesmal, bei der TV-Konfrontation der republikanischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur in South Carolina, wo heute, Samstag, die nächste Vorwahl stattfindet.
Kurz zuvor hatte seine Ex-Frau in einem Interview erklärt, dass der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses von ihr eine "offene Ehe" gefordert hatte, nachdem er sie bereits über lange Zeit betrogen hatte. Das kommt bei Republikanern nicht gut an, schon gar nicht beim religiösen Flügel. John King, renommierter Moderator des Nachrichtensenders "CNN", brannte das Thema unter den Nägeln, dem er seine Eröffnungsfrage widmete. Mehr brauchte er nicht.
Gingrich kam sofort in Fahrt: "Ich bin entsetzt, dass man eine Präsidentschaftsdebatte mit einem solchen Thema beginnt." Er maßregelte King nach allen Regeln der Kunst. Das Publikum war begeistert und applaudierte, die Sympathien waren wieder gesichert. Ganz nebenbei: Die Anschuldigungen seien falsch. Im Fußball kommt das einer 2:1-Führung gleich, nachdem man 0:1 im Rückstand war. - Geradezu symbolisch für den Ablauf der Vorwahl in South Carolina.
Nachdem Gingrich dort über weite Strecken im Hintertreffen war, liefert er sich nun mit dem Favoriten Mitt Romney ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der wiederum hat an Boden verloren: Zuerst empfahl Rick Perry, der aus dem Rennen ausstieg, seinen Wählern Gingrich zu wählen, dann wurde bekannt, dass er bei der Vorwahl in Iowa doch nicht gewonnen hatte. Die schwarze Serie machte dann die Konfrontation perfekt. Erhielt Gingrich Applaus, so wurde Romney ausgebuht, weil er darauf beharrte, seine Steuererklärung - wenn überhaupt - erst im April veröffentlichen zu wollen.
Gingrich hat bessere Chancen als Romney
Der ehemalige Gouverneur war in die Kritik geraten, weil er angegeben hatte, nur 15 Prozent Einkommenssteuer zu zahlen - 20 Prozent weniger, als die meisten Normalverdiener. Außerdem steht der Mann, dessen Vermögen bis zu 250 Millionen Dollar beträgt, in Verdacht, Geld im Steuerparadies der Kaimaninseln geparkt zu haben. Jetzt wollen es die Wähler genau wissen und seine Finanzlage schwarz auf weiß sehen.
Die Situation hat sich bereits in den Umfragen niedergeschlagen. Jene, die Gingrich vorne sehen und jene, die Romney vorne sehen, halten sich in etwa die Waage. Gingrich wird von Analysten sogar leicht favorisiert und seine Chance, in South Carolina zu gewinnen, mit 65 Prozent beziffert. Gelingt dies wirklich, wäre der Romney-Express, der direkt auf die Präsidentschaftskandidatur zufuhr, erst einmal gestoppt. Wenn nicht, wird der Zug weiter an Fahrt aufnehmen.
Die Vorwahl wird daher in manchen Medien schon zu einer Vorentscheidung hochstilisiert. Doch bei aller Euphorie sollte man die Kirche im Dorf lassen, denn auch nach der heutigen Vorwahl wird erst ein äußerst geringer Anteil der Delegierten bestimmt worden sein, die bei der republikanischen National Convention am 30. August den Präsidentschaftskandidaten küren. Inklusive South Carolina ging es bisher gerade einmal um 65 der 2286 Delegierten.
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