
Eine Serie von koordinierten Angriffen radikaler Islamisten hat am Sonntag die afghanische Hauptstadt Kabul und den Osten des Landes erschüttert. In Kabul waren laut übereinstimmenden Angaben unter anderem die Botschaften der USA und Deutschlands im Diplomatenviertel sowie das Parlament betroffen. In der östlichen Stadt Jalalabad wurde der Flughafen angegriffen, wo sich auch ein NATO-Stützpunkt befindet.
AFP-Korrespondenten zufolge waren in der Nähe der US-Botschaft schwere Explosionen und Schüsse zu hören. Die Botschaft löste Alarm aus und forderte ihre Mitarbeiter auf, sich in Sicherheit zu bringen. Ein Sprecher sagte später, die diplomatische Vertretung sei geschlossen worden. Alle Mitarbeiter seien unverletzt in Sicherheit gebracht worden.
Von den Angriffen im Diplomatenviertel von Kabul sei auch die deutsche Botschaft betroffen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Es gebe "kleinere Sachbeschädigungen" auf deren Gelände. "Nach bisherigen Erkenntnissen" sei aber niemand zu Schaden gekommen, gab die Sprecherin an.

Österreich hat keine eigene Botschaft in Kabul. Afghanistan wird von der österreichischen Botschaft in Pakistan mitbetreut.
Kämpfer wollten ins Parlament eindringen
Mehrere Kämpfer versuchten nach offiziellen Angaben zudem, in das Parlament einzudringen, seien aber von Sicherheitskräften überwältigt worden. Einige Abgeordnete hätten an der Seite von Polizisten und Soldaten das Feuer eigenständig erwidert, sagte der Parlamentarier Mohammed Naeem Lalai der Nachrichtenagentur AFP. Gemeinsam schossen sie demnach auf Angreifer, die sich nach dem gescheiterten Versuch, das Parlament zu stürmen, in einem Haus in der Nachbarschaft verschanzten.
Laut Polizei wurde auch der neunte Stadtbezirk im Süden Kabuls Ziel der Attacken. Augenzeugen zufolge stürmten Angreifer zudem das neue Hotel Kabul Star nahe des UN-Büros, einer US-Militärbasis sowie des Präsidentenpalasts und setzten es in Flammen.
Die Kämpfe in Kabul dauerten zumindest stellenweise bis in die späten Nachtstunden. Die Gefechte gingen in der Nacht in zwei Gebieten weiter, erklärte ein Sprecher der Kabuler Polizei. "Zwei Angreifer kämpfen in der Nähe des Parlaments gegen die Sicherheitskräfte und drei Angreifer sind in einem Gebäude im Bereich Wasir Achbar Khan", einem hoch gesicherten Diplomatenviertel. Dort befindet sich auch die deutsche Botschaft.
Fünf Angreifer und zwei Polizisten wurden dem Polizeisprecher zufolge getötet. Dazu kämen zehn verwundete Polizisten. Das Innenministerium sprach von mindestens 19 getöteten Aufständischen.
Taliban: "Beginn einer Frühjahrsoffensive"
Die radikalislamischen Taliban übernahmen die Verantwortung für die Angriffsserie und teilten mit, an den Attacken seien "viele Selbstmordattentäter" beteiligt. Ein Sprecher sagte AFP, es handle sich um den "Beginn der Frühjahrsoffensive". Die Taliban wollten damit unter Beweis stellen, dass sie entgegen mancher Behauptungen kampffähig seien.
Im Osten Afghanistans wurden laut Polizei mehrere Menschen verletzt, als sich zwei Selbstmordattentäter am Flughafen von Jalalabad in die Luft sprengten. Zwei weitere mit Sprengstoff ausgerüstete Angreifer seien verletzt festgenommen worden. In der östlichen Stadt Gardes griffen mehrere Aufständische nach Behördenangaben ein Ausbildungslager der Polizei an und töteten vier Zivilisten.
Die US-Botschaft war zuletzt Ende September Ziel eines Angriffs gewesen. Bei einer Schießerei starben damals ein US-Bürger und der Angreifer. Zwei Wochen zuvor hatten Aufständische einen Großangriff auf das Diplomatenviertel in Kabul verübt. Bei der rund 19 Stunden dauernden koordinierten Attacke wurden mindestens 14 Afghanen getötet.
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