Damaskus/Istanbul. Mitten in der syrischen Hauptstadt Damaskus ist am Dienstag eine Bombe detoniert. Aktivisten meldeten, der Fahrer des Wagens, in dem der Sprengsatz platziert wurde, sei durch die Explosion auf dem zentralen Al-Marje-Platz ums Leben gekommen. Das Fahrzeug sei nicht komplett ausgebrannt, wie dies bei Selbstmordanschlägen mit größeren Autobomben stets der Fall ist. Syrische Medien sprachen von drei Verletzten.
Regimegegner meldeten, die Sicherheitskräfte hätten am Tatort mehrere Augenzeugen mitgenommen und seien mit ihnen davongefahren. Verdächtig sei, dass noch vor der Explosion ein Team des regimetreuen TV-Senders Al-Dunia auf dem Platz gewesen sei.
Geheimdienst-Funktionär ermordet
Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete indes, ein hochrangiger Funktionär des Geheimdienstes sei in Damaskus am frühen Dienstagmorgen ermordet worden. In dem Vorort Sajjida Zeinab habe es ein Gefecht zwischen den Regierungstruppen und einer Gruppe von Deserteuren gegeben.
Kein Ende der Gewalt
Das kleine Vorauskommando der UN-Beobachter in Syrien kann die Massaker und Verhaftungen nicht verhindern. Aktivisten meldeten, am Montag seien landesweit mehr als 60 Menschen von den Truppen des Regimes getötet worden. Am Dienstag habe die Armee Ziele im Umland von Hama und in Homs angegriffen. In der Provinz Idlib seien 15 Soldaten gemeinsam desertiert. UN-Untergeneralsekretär Lynn Pascoe hatte am Montag im Weltsicherheitsrat erklärt, die schweren Menschenrechtsverletzungen hielten trotz der Einigung über eine "Waffenruhe" an.
Wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag mitteilte, waren unter den Toten mindestens 48 Zivilisten. Allein in der Protesthochburg Hama im Zentrum des Landes wurden demnach 31 Zivilisten durch Schüsse der Regierungstruppen getötet. 16 weitere starben den Angaben zufolge in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes.
Nur acht Beobachter im Einsatz
Bisher sind in Syrien lediglich acht Beobachter im Einsatz, von denen zwei dauerhaft in der Protesthochburg Homs stationiert sind. Die anderen UN-Militärbeobachter fuhren am Dienstag nach Angaben von Augenzeugen in die Provinz Idlib, ins Umland von Damaskus und in die Provinz Aleppo. Am Abend wurden drei weitere unbewaffnete Beobachter erwartet. In den kommenden Tagen werde ihre Zahl auf 30 ansteigen, sagte ein UN-Sprecher in Damaskus.
Oppositionelle meldeten, in der Nacht sei der Kommunist Salama Kila in seinem Haus verhaftet worden. Der gebürtige Palästinenser hatte wegen seiner politischen Überzeugung bereits früher in Syrien im Gefängnis gesessen. Menschenrechtler forderten unterdessen die Freilassung der Autorin Marie Issa, die am 14. April zusammen mit ihrem Ehemann, dem Arzt Joseph Nachle, in ihrem Haus in einem Vorort von Damaskus verhaftet worden war. Angeblich wirft man dem christlichen Ehepaar vor, verwundete "Terroristen" behandelt zu haben.
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