Wien. Die Arbeiterkammer Wien hat auf ihrer Vollversammlung am Mittwoch gefordert, das bestehende Arbeitsvolumen "fairer - und somit auch auf mehr Beschäftigte" - zu verteilen. Durch "innovative Formen der Arbeitszeitverkürzung, sowie durch eine fairere Verteilung des bestehenden Arbeitszeitvolumens" könnten "erhebliche Beschäftigungseffekte" erzielt werden, heißt es in einer Aussendung der AK.
Die Forderung hat insofern Relevanz, als auch in der SP-internen Initiative "Österreich 2020" eine Reduktion der Arbeitszeit diskutiert wird. Zuletzt hatte etwa Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) Ideen in diese Richtung als "nicht schlecht" bezeichnet.
Zusätzliche Beschäftigung statt Überstunden
Die AK betont, dass rund 60.000 Personen mehr am Arbeitsmarkt teilhaben könnten, selbst wenn nur ein Drittel der geleisteten Mehr-bzw. Überstunden zu zusätzlicher Beschäftigung führen würden. 2010 hätten die Unselbstständigen Arbeitnehmer über 307 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet, jede vierte davon sei unvergütet geblieben, so die AK. Damit würde den Betroffenen auch rund 1,5 Milliarden Euro an Bruttoeinkommen pro Jahr entgehen.
Die AK Wien fordert unter anderem eine Verkürzung der Arbeitszeit ohne Minderung der Kaufkraft der Betroffenen, eine verstärkte Kontrolle korrekter Arbeitszeitaufzeichnung durch die Arbeitsinspektorate sowie eine Stärkung der Kontrollbefugnisse der Betriebsräte. Außerdem wünscht die AK eine Verteuerung der Überstunden für Arbeitgeber in Form einer Abgabe von einem Euro pro geleisteter Überstunde und eine Erhöhung des Teilzeitzuschlages für "Mehrarbeit" von 25 auf 50 Prozent.
Weiteres Thema: Bildung
Weitere Forderungen der Arbeitnehmer-Vertreter: Erleichterung des Wechsels in Vollzeit sowie einen Ausbau von Kinderbetreuung, Ganztagsschulen und Pflegeplätze für ältere Menschen.
Neben dem Thema Arbeitszeit nahm sich die AK Wien u.a. auch der Bildung an und fordert hier eine Reform der 9. Schulstufe in Richtung "Bildungspflicht". Ziel sei, dass alle Schüler jedenfalls die Bildungsziele der achten Schulstufe erreichen. Darüber hinaus wünscht sich die AK etwa eine Vereinfachung der Familienförderung sowie ein Maßnahmenpaket gegen Diskriminierung von Migranten am Arbeitsmarkt.
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